Der indische Bundesstaat Kerala
und BASIS-Projects - ein Dorfentwicklungsprojekt

von Anisha Schubert, Bremen, 1999

1 Vorwort

Dieser Bericht entstand infolge eines dreimonatigen Praktikums bei BASIS-Projects in Sreekandamangalam im südindischen Bundesstaat Kerala. Durch einen sechswöchigen Freiwilligendienst, organisiert von pro international e.V. Marburg, habe ich dieses Projekt und die Familie Moozhiyil 1992 kennen und schätzen gelernt. Ein- bis vierwöchige Besuche und Mitarbeit in den folgenden Jahren vertieften dies, so dass ich mich Ende 1998, im Anschluss an ein Praktikum bei der nepalesischen Frauenorganisation MAITI Nepal, zu einem weiteren dreimonatigen Praktikum bei BASIS-Projects entschloss. Dies geschah im Rahmen meines Aufbaustudiums "Entwicklungspolitik mit Schwerpunkt Nicht-Regierungsorganisationen" an der Universität Bremen.

Im Folgenden möchte ich die Aktivitäten von BASIS-Projects beschreiben. Um diese richtig einschätzen zu können, werde ich nach kurzer Darstellung der Projektgründung die Verhältnisse im indischen Bundesstaat Kerala im vierten Kapital genauer betrachten. Auf manche Punkte, die für die Projektarbeit relevant sind, werde ich mit Hilfe von Fachliteratur genauer eingehen, wie zum Beispiel Landreform, Ernährungslage, Kautschukanbau und Bildung. Anderes werde ich vernachlässigen. Das fünfte Kapitel werde ich schließlich BASIS-Projects widmen.

2 Einleitung

BASIS-Projects (Basic Agricultural and Social Improvement Schemes) ist ein gemeinnütziges integriertes Dorfentwicklungsprojekt in Kerala, Südindien, mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität. Ernährungssicherung und Eigeninitiative sowie Förderung von Frauen stehen im Mittelpunkt. Das Projekt finanzierte sich in der Anfangsphase hauptsächlich durch Spenden aus Deutschland. Hinzu kamen zwei weitere, rechtlich und finanziell getrennte Bereiche: Basis-Handproducts und Basis-International. Basis-Handproducts stellt Waren wie Rucksäcke oder Briefpapier für den Export nach Deutschland her. Im Rahmen von Basis-International werden Aufenthalte im Projekt unter dem Motto 'Sanfter Tourismus' durchgeführt.

3 Gründung

Die ProjektinitiatorInnen Leelamony (Jahrgang 1951) und Mathew Moozhiyil (Jahrgang 1946) wuchsen beide in Kerala auf. Ihr Weg führte sie unabhängig voneinander nach Deutschland, wo Leela eine Krankenschwesterausbildung absolvierte und Mathew Agrarwissenschaften studierte und promovierte. Als Ehepaar kehrten sie 1989 mit ihren Töchtern Anuradha (Jahrgang 1978) und Theresa (Jahrgang 1982) nach Kerala zurück. 1993 wurde ihr Sohn Christoph geboren. Nach zwanzig Jahren Ausbildung und Berufsleben in Deutschland wollten sie ihre Fachkenntnisse und ihre Erfahrungen in beiden Kulturen sinnvoll in ihrem Heimatland einbringen. Im Mai 1990 wurde BASIS-Projects gegründet; seit 10.04.1992 ist es eine eingetragene Stiftung. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von Beginn an durch den Förderkreis Indienhilfe e.V., Gießen, gegründet von FreundInnen und Bekannten der Familie.

4 Kerala

4.1 Geografie

Der Bundesstaat Kerala nimmt mit einer Fläche von 38.863 km² nur 1.18% des Staatsgebietes Indiens ein und liegt mit seiner Hauptstadt Thiruvananthapuram (früher Trivandrum) im Südwesten des Landes. Kerala ist geografisch in drei Regionen aufgeteilt:

(vgl. Malayala Manorama 1999: 637)

4.2 Klima

Das keralesische Klima, den immerfeuchten Tropen zugehörig, ist geprägt von zwei Regenzeiten, dem Südwestmonsoon von Juni bis August und dem Nordostmonsoon im Oktober/November. Selbst in den Trockenzeiten gibt es immer wieder Niederschlag - im Gegensatz zu Restindien. Die Temperaturen im Projektgebiet liegen bei ca. 26 - 33 C. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und sinkt selbst während der Trockenzeit nicht unter 60%.

4.3 Geschichte

Die Geschichte der Fremdherrschaft Keralas ist geprägt durch die Portugiesen: 1498 landete Vasco da Gama in Kozhikode (Calicut). Im 17. Jahrhundert übernahmen die Engländer die Herrschaft, welche schließlich 1947 mit der Unabhängigkeit Indiens endete. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde während der Kolonialzeit durch Einführung von fremden Nutzpflanzen und Plantagenwirtschaft geprägt und ganz den europäischen Bedürfnissen angepasst. 1956 entstand der Bundesstaat Kerala durch die Neugliederung der Staaten nach der mehrheitlich gesprochenen Sprache Malayalam. Kerala wurde zusammengesetzt aus Malabar, früher der Madras Residency der Britischen Kolonialmacht zugehörig, sowie Travancore und Cochin, zwei Herrscherstaaten. In der Weltpresse erschien Kerala, als 1957 zum ersten Mal eine kommunistische Partei (unter E.M.S. Nambooridipad) die Mehrheit im Parlament gewann. Seither wechseln Kommunisten und Congress in der Regierung - auch "Seesaw Democracy" genannt. Die kommunistischen Regierungszeiten waren zwar jeweils nur von kurzer Dauer (1957-59, 1967-69, 1980-81, 1987-91), doch brachten sie einige Veränderungen im politischen und sozialen Bereich mit sich (siehe unter 4.4.3).
(vgl. Ramachandran 1996: 211)

4.4 Wirtschaft

Der primäre Sektor wird in Kerala besonders betont, der industrielle ist eher vernachlässigt. Investoren zögern wegen der vielen Regierungswechsel bzw. der politischen Instabilität und der starken Gewerkschaftsbewegung. Kapitalistisches Unternehmertum ist kaum entwickelt. Beim primären Sektor handelt es sich um Land-, Forst-, Plantagen- und Fischereiwirtschaft. Für die Landwirtschaft wird ca. 86% der Fläche Keralas genutzt. Die Nahrungsmittelproduktion stagniert, und Kerala ist von Importen, vor allem aus dem Nachbarstaat Tamil Nadu, abhängig. Laut ‚Economic Review' 1992 wird 60% des Getreides importiert. Getreideknappheit, besonders während der Regenzeit, ist keine Seltenheit. Schuld daran ist die Ausrichtung auf kommerzielle Produkte statt auf Grundnahrungsmittel. 92% des Kautschuks Indiens, 70% der Kokosernte, 60% des Tapioka und fast 100% des Zitronengrasöls werden von Kerala produziert. Die Subsistenzlandwirtschaft der Farmbetriebe musste zum größten Teil den Plantagen weichen. Die ökonomische Leistung der Subsistenzproduktion wird wenig sichtbar, so sind Regierungen wie die indische eher an cash crops interessiert. Die keralesische Wirtschaft beruht vor allem auf der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, wie zum Beispiel Kokosverarbeitung, Handweberei, Verarbeitung von Cashewnüssen und Kautschukindustrie. Für KleinbäuerInnen bietet die Subsistenzlandwirtschaft mit Mischkulturanbau viele Vorteile: Ressourcen (Anbaufläche, Wasser, Arbeit) werden besser genutzt, die Bodenfruchtbarkeit bleibt erhalten, der Boden ist besser vor Erosionen und Austrocknung geschützt, die Produktion ist nachhaltig, es gibt keine Marktrisiken, es besteht Nahrungssicherheit und die Ernährung ist ausgewogener.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 8ff, 36, 55, 70f; Ramachandran 1996: 216f)

4.4.1 Arbeitssituation

Kerala hat die höchste Arbeitslosenrate Indiens, gleichgültig welche Messweise angewandt wird. Es handelt sich vor allem um sehr gut ausgebildete Arbeitslose. Um einen festen Arbeitsplatz zu erhalten, ist für eine Person mit Schulabschluss eine Wartezeit von 48 Monaten durchschnittlich (Ramachandran 1996: 218).
Kerala hat eine lange Geschichte von Arbeitsmigration; schon vor der Unabhängigkeit wanderten viele KeralesInnen als PlantagenarbeiterInnen ab. Seit den 70er Jahren sind viele KeralesInnen im Ausland, meist in den Golfstaaten, beschäftigt. Dort ernährt häufig ein Familienmitglied die gesamte Familie in Kerala. Das Auslandsgeld ist ein Grund für den höheren Lebensstandard in Kerala. Im Nettoinlandsprodukt ist es nicht enthalten, doch wenn Untersuchungen zu Pro-Kopf-Ausgaben betrachtet werden, werden höhere Ausgaben im Vergleich zum indischen Durchschnitt sichtbar.
(vgl. Ramachandran 1996: 218ff)
Im Gegensatz zu akademischen Berufen sind im handwerklichen und landwirtschaftlichen Bereich Arbeitsplätze vorhanden und werden mangels keralesischer ArbeiterInnen bzw. Handwerker häufig von ArbeitsemigrantInnen aus dem benachbarten Tamil Nadu besetzt.
Hochkastige lehnen handwerkliche und landwirtschaftliche Tätigkeiten meist ab, sie fühlen sich ihrer unwürdig. Unterkastige oder Kastenlose lebten zwar früher hauptsächlich von Handwerk und Landwirtschaft, doch die meisten führen diese Arbeit (außer auf dem eigenen Feld) heute nicht mehr aus. Bürokarrieren werden nun angestrebt. Durch die staatliche Quotenregelung, welche benachteiligten Bevölkerungsgruppen Chancengleichheit geben soll, wird ihnen der Einstieg in den staatlichen Dienst ermöglicht. Außerdem hat Keralas hohe Bildungsrate zur Folge, dass ‚profane' handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe als minderwertig betrachtet werden (BASIS-Project, undatiert).
In Athirampuzha sind 4000 Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, in der Verwaltung, in Banken, der Universität etc. sind es 1800 und in der (Klein-) Industrie 1535 Personen. Es gibt 5447 Arbeitslose (Athirampuzha Panchayat 1996).

4.4.2 Kautschukanbau

Der Distrikt von Kottayam hat die größte Anbaufläche von Kautschuk (108.433 Hektar) der keralesischen Distrikte (sonst ca. 3000 - 54.000 Ha). Früher wurden alle lokalen Nutzpflanzen in einem geschlossenen System angebaut, was zu einer ausgewogenen Ernährung führte. Seit über dreißig Jahren wird der Kautschukanbau staatlich subventioniert und hat die Mischkulturlandwirtschaft vor allem im Distrikt Kottayam weitgehend verdrängt. Dadurch wurde zudem die so genannte Backyard- Tierhaltung verdrängt, die dann möglich ist, wenn landwirtschaftliche Restprodukte zur Fütterung verwendet werden können. Ca. 65% der Kautschukproduktion wird für die Reifenproduktion verwendet. Außerdem kann nach Abholzung das Holz verwendet werden, und Samen werden zur Ölgewinnung in der Seifen- und Farbindustrie genutzt. Erst nach sieben Jahren können die Bäume zur Gewinnung des Saftes angezapft werden. Die AnbauerInnen erhalten jedoch bis ins achte Jahr Subventionen (für sieben Jahre 3- 5000 Rs. pro ha im Jahr, im achten Jahr 2500 Rs. pro ha). Der Anbau wird ab ca. 25 Jahren nicht mehr rentabel.
Das ‚Rubber Board' wurde 1955 in Kottayam von der indischen Regierung gegründet und versichert zusätzlich neben der finanziellen Unterstützung gegen Verluste und Zerstörung. Außerdem gehören Beratung, Training, Subventionierung von Materialien wie Düngemittel, Sprühgeräte oder Verarbeitungsausrüstung sowie Forschung durch das Rubber Research Institute of India und Preisstützung (durch Mindestpreis und Stützungskäufe) zu den Aufgaben. Der Durchschnittsertrag lag 1995/96 bei 1422 Tonnen/ha. Der Verkaufspreis für die AnbauerInnen hängt von der Reinheit des Kautschuks ab und ist trotz Rubber Board Schwankungen unterworfen. 1997 war ein schlechtes Jahr für die AnbauerInnen. Die Nachfrage war durch globale Rezession schlecht, und die Preise sanken. Die instabile politische Lage und vor allem die breite ArbeiterInnenbewegung mit Lohnforderungen, Streiks etc. verhindern den Ausbau der Kautschukindustrie.
Der Anbau selbst ist nicht sehr arbeitsintensiv.

Wie oben erwähnt, hat der Kautschukanbau die Subsistenzlandwirtschaft verdrängt. Durch den hohen Blausäuregehalt ist zwischen den Bäumen kein weiterer Anbau möglich. Zudem ist die ökologische Vielfalt eingeschränkt. Weitere Nachteile und Folgen der Monokultur sind die schlechte Ernährungslage der Bevölkerung und die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 56ff, Malayala Manorama 1999: 118; Kubutschek/Steinle 1996: 31ff, Moozhiyil/Moozhiyil 1999)
Im Panchayat Athirampuzha wird auf 52.4% der Anbaufläche Kautschuk angebaut; 27.3% sind mit Kokospalmen bepflanzt, und auf der restlichen Fläche wachsen Reis, Gewürze, Cashewnüsse, Gemüse, Bananen, Knollenfrüchte, Kakao etc. Die Anbauflächen sind sehr klein: knapp 75% der Familien (6212 von 8359) besitzen weniger als 0,5 ha Land .
Eine Untersuchung hat gezeigt, dass der Anbau im Mischkultursystem trotz Subventionierung finanziell profitabler ist als Kautschukanbau. Der Anbau von Kautschuk ist jedoch bei weitem weniger arbeitsaufwendig.

4.4.3 Landreform

Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Situation Keralas ist die Landreform von großer Bedeutung.
In Kerala herrschte traditionell Großgrundbesitz, welcher in der Kolonialzeit in ein noch repressiveres System umgewandelt wurde. Im 19. Jahrhundert häuften sich Proteste der unterdrückten ländlichen Bevölkerung. Agrarbewegungen gegen Großgrundbesitzer und Staat nahmen ihren Lauf, wie zum Beispiel die Mappila-Bewegung. Später vereinigte sich die Unabhängigkeitsbewegung mit dem Kampf gegen die Großgrundbesitzer. Bald nach der Unabhängigkeit kam die kommunistische Partei an die Macht, welche 1957 die Landreform einleitete. Es gab neue Pachtgesetze, welche den PächterInnen mehr Sicherheit garantierten und die Rechte der BesitzerInnen reduzierten. Zudem wurde den BestellerInnen Land zu geringen Preisen übereignet. Die Pachtgesetze waren relativ erfolgreich. Im Gegensatz dazu konnten die Höchstbesitzgrenzen kaum durchgesetzt werden. In der Folge gab es gewalttätige Kampagnen oppositioneller Gruppen, die kommunistische Regierung wurde vom Präsidenten aufgelöst, und die folgende Congress-Regierung führte Veränderungen der Reformgesetze ein. Schlupflöcher wurden erkannt, wie zum Beispiel der Wechsel zum Plantagenanbau. Viele Organisationen kämpften mit Demonstrationen und Landbesetzungen für die Umsetzung der Gesetze und trafen auf Gegenangriffe von Polizei und Armee, Verhaftungen und Schlägertruppen der Großgrundbesitzer. Trotzdem hat die Landreform dazu beigetragen, die ungleiche Verteilung von Land zu reduzieren, Großgrundbesitz zu schmälern und PächterInnen mehr Schutz zu geben. Zudem erleichterte die Landreform sozialen Wandel. Das Bewußtsein über Rechte wurde gestärkt. Festzuhalten ist, dass die Reform nicht von oben kam, sondern durch den Kampf von Organisationen und schließlich von der an die Macht gebrachten Partei. Im Gegensatz zu 1961/62, als 30,9% der Haushalte Keralas landlos waren, betrug die Zahl 1982 nur noch 12,8%. Großbesitz über 2,5 acre besaßen 1961/62 12,8% der Haushalte (69,6% des Landes), 1982 waren es 9,3% . Eine Folge der Landreform ist die Furcht vor Pacht- und Mietverhältnissen auf der Seite potentieller VerpächterInnen bzw. VermieterInnen. Sie fürchten, PächterInnen/MieterInnen könnten Land bzw. Haus/Wohnung übereignet bekommen. Mietverhältnisse sind auf dem Land daher quasi unbekannt.

4.4.4 Elektrizitäts- und Wasserversorgung

In Kerala reicht der produzierte Strom nicht zur Deckung des Bedarfes. Täglich gibt es abends dreißig Minuten Stromausfall, wobei die Zeiten in jedem Gebiet wöchentlich wechseln. Zudem treten häufig unangekündigte Stromausfälle auf, welche vor allem für Industrie und Landwirtschaft (zum Beispiel bei Elektropumpen für Reisfelder) problematisch sind.
Die meisten Familien in ländlichen Gebieten haben einen eigenen Brunnen. In der Küstenregion wird die Trinkwasserversorgung während der Trockenzeit durch das einfließende Meerwasser problematisch.

4.5 Bevölkerung

Die Bevölkerung Keralas beträgt ca. 29 Mio. Menschen, 3.43% der Bevölkerung Indiens. Nach West Bengal ist Kerala der am dichtesten bevölkerte Bundesstaat Indiens mit 1991 747 Menschen pro km² - ohne dass sich die Bevölkerung, wie sonst üblich in Indien, auf wenige Ballungszentren konzentriert. Kerala hat keine Millionenstädte.
Es besteht kein sehr großer Unterschied zwischen ländlichen und städtischen Regionen. In den Dörfern gibt es selten die Aufteilung in besiedelte Fläche und landwirtschaftlich genutztes Gebiet; die Häuser sind verteilt und befinden sich inmitten des bebauten Landes.
Der Athirampuzha Panchayat ist besonders dicht besiedelt mit 1800 Menschen pro km², 36.140 Menschen auf 20,1 km.
Insgesamt zeigt sich Kerala, was Bevölkerungswachstum betrifft, im Vergleich zu Gesamtindien fortschrittlich. 1981 - 91 betrug dieses in Kerala nur 13.98%, in Indien jedoch 23.50% .

4.6 Religionen

Die prozentuale Verteilung der Bevölkerung Gesamtindiens, Keralas und Athirampuzhas auf die drei vorherrschenden Religionen Hinduismus, Islam und Christentum zeigt sich äußerst unterschiedlich. Im Projektgebiet Athirampuzha dominiert die christliche Religion.

Es gibt unterschiedliche christliche Gemeinden in Kerala. Die Mehrheit wird vom syrischen Christentum gebildet, welches der Legende nach vom Apostel Thomas im 1. Jahrhundert eingeführt wurde. Wie im Hinduismus ist das Kastenwesen auch im indischen Christentum vorherrschend.

In der hinduistischen Kastenhierarchie stehen die Namboodiris, patrilineare Brahmanen, ganz oben und genießen am meisten soziale Freiheit. Die matrilinearen Nayars sind im unteren Teil der Hierarchie einzustufen. Außerhalb der Kasten stehen die Izhavas am höchsten. Sie verrichten meist landwirtschaftliche Arbeit. Bedeutsam ist jedoch, dass sich unter ihnen auch Sanskritgelehrte, Ayurveda-Ärzte und Astrologen befinden, was sich schließlich auf die Reformbewegung der Izhavas auswirkte. Sie forderten Grundschulbildung für alle Jungen und Mädchen und gingen gegen Bräuche wie Tempelverbot für Kastenlose vor. Der bekannteste Vertreter Sree Narayana Guru wird heute noch in allen Gegenden Keralas verehrt.
(vgl. Ramachandran 1996: 275f)

In der Vergangenheit wurden extreme Formen der 'Unberührbarkeit' praktiziert. Sklavenkasten wie Pulayar, Parayar oder Cherumur, Stammesangehörigen sowie der Izhava Kaste wurde der Zugang zu Tempeln, öffentlichen Plätzen, Straßen, Wasserstellen etc. verweigert. Sie durften nur die zugewiesenen Berufe ausüben, keine saubere oder feine Kleidung tragen, keine Milchkühe besitzen, keine Regenschirme oder Schuhe tragen, und bestimmte Worte (wie 'ich') nicht im Gespräch mit Höherkastigen benutzen. Zudem gab es Regeln zur 'unseeability', das heißt Höherkastige betrachteten sich bereits beim Anblick eines/r Kastenlosen als verunreinigt.
(vgl. Ramachandran 1996: 274ff)

4.7 Situation der Frauen

Kerala hat einen Frauenanteil von 1040 pro 1000 Männer und steht damit an erster Stelle der indischen Bundesstaaten und weit über dem indischen Durchschnitt von 927. Vergleichbaren Stellenwert hat die Alphabetisierungsrate von Frauen: 86.93% in Kerala, 36.0% in Indien . Trotzdem wird Kerala gesellschaftlich von Männern dominiert, wie auch Restindien.
Besonders in ländlichen Gebieten hat die Familie eine übergeordnete Stellung, und es gibt eine klare Hierarchie. Die Frauen stehen immer im Schatten der männlichen Familienmitglieder. Sie werden erst von Vätern und Brüdern, nach der Heirat vom Ehemann und dessen Familie und schließlich von ihren Söhnen bevormundet. Erst als Mütter von Söhnen erhalten sie eine etwas höhere soziale Stellung. Frauen werden weniger als eigenständige Menschen betrachtet, sondern eher als Dienerinnen. Von ihnen wird erwartet, sich schüchtern und bescheiden im Hintergrund zu halten und gehorsam zu sein. Abgesehen von Ausbildung und Arbeit dürfen Frauen kaum das Haus verlassen, eigenen Interessen nachgehen oder diese überhaupt erst entwickeln. Außer in der Familie und in der Nachbarschaft gibt es kaum Möglichkeiten, sich in der Freizeit mit anderen Menschen auszutauschen. Zwischen den Geschlechtern besteht im öffentlichen Leben eine strenge Trennung, die bereits im Kindergarten beginnt. In der Schule, in der Universität, im Bus etc. sitzen Männer und Frauen getrennt voneinander. Gemischtgeschlechtliche Gruppen bilden sich nicht. Ebenso wenig sind freundschaftliche Beziehungen zu Männern außerhalb der Familie erlaubt bzw. geradezu unmöglich. Durch diese gesellschaftlichen Strukturen sind Frauen und Männer im Umgang miteinander unsicher.
Eine Heirat wird in Kerala fast immer von den Eltern arrangiert, häufig über Zeitungsinserate. Das durchschnittliche Heiratalter beträgt in Kerala 22,9 Jahre, und liegt weit über dem indischen Durchschnitt von 18 Jahren. Im Vorfeld kommt es zu Treffen der beiden Familien, wobei sich meist auch das potentielle Brautpaar kurz begegnet. Das Aushandeln der (hohen) Mitgift steht im Mittelpunkt, welche schließlich bei der Hochzeit zur Schau gestellt wird. Die Hochzeitsfeierlichkeiten mit Hunderten von Gästen werden von den Brauteltern ausgerichtet. Können die Eltern keine Mitgift aufbringen, bleibt die Tochter unverheiratet und ohne gesellschaftliche Anerkennung. Die wenigen Fälle von Liebesheirat werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert, und häufig erhält das Paar keinerlei Unterstützung von den Familien und wird ausgestoßen. Bei einer Verbindung zwischen Angehörigen verschiedener Kasten muß manchmal sogar mit Racheakten gerechnet werden, da die Heirat als Schande für die gesamte Kaste gesehen wird.
(vgl. Kubutschek/Steinle 1997: 13f)

Ein interessantes Phänomen ist, dass von einem wichtigen Bevölkerungsteil ein matrilineares Erbsystem ausgeübt wird. Es handelt sich vor allem um die Nayar (bzw. Nair), Teile der Izhava Kaste sowie Teile der muslimischen Bevölkerung. Matriarchal kann das System jedoch in keiner Weise genannt werden. Die Familienoberhäupter sind Männer. Bei den Nayar besaßen auch unverheiratete Beziehungen, 'sambandham' genannt, Legitimität, waren nicht selten und wurden als Ehe betrachtet. Sie gingen über Kastenschranken hinaus. Die Kinder gehörten der mütterlichen Familie an. Das matrilinare System hatte großen Einfluss auf die soziale und kulturelle Entwicklung Keralas und hat manche sozialen Einstellungen verändert.
(vgl. Ramachandran 1996: 276ff)

4.8 Bildung

Kerala hat als einziger indischer Staat erreicht, was von der UNESCO "total literacy" genannt wird: eine Alphabetisierungsrate von über 85%. Mittlerweile liegt sie bei 90.59%, weit über dem indischen Durchschnitt von 52.11%. So ist auch die Zirkulation von Zeitungen in Kerala höher als im indischen Durchschnitt. 1989 gab es pro 1000 Malayalam sprechende Personen 61 Zeitungen in Malayalam; die entsprechende Zahl aller indischer Sprachen und SprecherInnen lag bei 28 .
Kinderarbeit tritt in Kerala weniger häufig auf. Laut der indischen Volkszählung 1981 arbeiteten in Gesamtindien 7.58% der Fünf- bis 14-Jährigen, doch nur 1.50% in Kerala. Was Kinderarbeit betrifft, können die Ergebnisse der Volkszählung als untertrieben betrachtet werden, deutlich wird jedoch die Diskrepanz.
Beim Blick auf Keralas Bildungsstand muss betont werden, dass erst eine hohe Alphabetisierungsrate von Frauen zu dem Ergebnis leiten konnte. Die keralesische Kultur stand nie im Widerspruch mit Frauenbildung, und es gab keine umfassenden Gegenstimmen. Bereits im 16. bis 18. Jahrhundert breitete sich die Alphabetisierung bei höheren Kasten aus. Dann folgten christliche Missionare, vor allem protestantische, folgend auch Syrisch christliche, welche moderne Schulen einrichteten. Sie arbeiteten vor allem mit unterdrückten Kasten und verbanden ihre Tätigkeit, wie zu erwarten ist, mit Konvertierungen. Neben christlicher Theologie wurden jedoch auch säkuläre Themen gelehrt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die ersten modernen Regierungsschulen. Das Netz traditioneller, auf Kasten basierender Schulen, wie Madrasas und vedische Schulen, war im 18. und 19. Jahrhundert stark zurückgegangen. Von Bedeutung ist, dass bereits im Jahr 1817 Massenalphabetisierung von der 15-jährigen Herrscherin von Travancore ausgerufen wurde - die Kosten sollte der Staat übernehmen. Bis zur tatsächlichen Massenalphabetisierung verging jedoch noch weit über ein Jahrhundert.
Eine große Rolle spielte die Total Literacy Campaign 1989-91. Hier wurde jede/r AnalphabetIn identifiziert, und es wurden Gruppen gebildet, in denen durch Freiwillige gelehrt wurde - über Themen wie Würde der Arbeit, Trinkwasser, Krankheitsverhinderung, Freiheitskampf oder fair price shops.
(vgl. Ramachandram 1996: 255ff, 271ff)
Auch wenn das Bildungssystem Keralas bemerkenswert ist, so ist aus europäischer Sichtweise manches zu kritisieren - wobei Kritikpunkte aber auch von KeralesInnen ähnlich gesehen werden.
Im Alter von ca. drei Jahren kommen die meisten Kinder in den Kindergarten, welcher nach europäischen Standards eher Vorschule genannt werden könnte. Die Eltern erwarten, dass dort Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wird. Gemeinsames Spielen, Kreativität, Förderung von Fähigkeiten und Talenten sind unbekannt. Disziplin, Gehorsam und Anpassung an vorgegebene Strukturen stehen vielmehr im Mittelpunkt. Die Einschulung erfolgt mit sechs Jahren. Wissensvermittlung besteht in Frontalunterricht und Auswendiglernen, wobei das Verstehen im Hintergrund bleibt. Eigene Gedanken zu machen oder auch nur die eigene Formulierung von Gelerntem werden nicht gefördert. Prügelstrafe ist jedoch die Regel an Schulen. Den Kindern bleibt wenig Freizeit, und der Leistungsdruck, besonders vor den häufigen Prüfungen, ist enorm. Mit Abschluss der zehnten Klasse ist die Schule beendet. Am College kann dann in verschiedenen zweijährigen Fachkursen ("10 + 2") weitergelernt und mit dem Pre-degree abgeschlossen werden. Danach besteht die Möglichkeit nach weiteren drei Jahren Fachstudium den Bachelor-Abschluss und nach wiederum zwei Jahren den Masters-Abschluss abzulegen. Der Leistungsdruck ist zwar auch hoch, jedoch wird dort mehr Freiheit genossen. Es gibt weder Uniformpflicht noch Prügelstrafe. Durch das restriktive Bildungssystem ist eine kritische Auseinandersetzung mit Themen Seltenheit.

4.9 Gesundheit und Ernährung

Der Blick auf Gesundheitsindikatoren zeigt Keralas einzigartigen Status im Vergleich zu Restindien. Die Lebenserwartung in Kerala beträgt 71.3 Jahre, und übertrifft die gesamtindische um über elf Jahre. Auch was Sterblichkeitsrate und Säuglingssterblichkeitsrate betrifft, liegt Kerala an erster Stelle. Die Geburtenrate Keralas liegt unter dem indischen Durchschnitt und weist auf das höhere Heiratsalter und die höhere Rate von Geburtenkontrolle.

  Kerala Indien
Lebenserwartung bei der Geburt: 71.3 Jahre 62.8 Jahre
Sterblichkeitsziffer pro 1000 EinwohnerInnen: 6,1 9,8
Säuglingssterblichkeitsrate pro 1000 Lebendgeburten: 17 72
Geburtenrate pro 1000 EinwohnerInnen: 18.5 21
Anzahl der ÄrztInnen pro EinwohnerIn: 671 2521

(Malayala Manorama 1999: 453; Ramachandran 199: 226ff)

Betont werden muss hier die hohe Alphabetisierungsrate von Frauen, welche den größten Einfluss auf die Gesundheitssituation hat.

Untersuchungen über Nahrungsaufnahme zeigen, daß diese in Kerala weit unter der empfohlenen Tageszufuhr (RDA, Recommended Daily Intake) liegt, insbesondere was Vitamin A betrifft. Außer bei der Kalzium- und Vitamin-A-Zufuhr schnitten die KeralesInnen bei allen gemessenen Nahrungsbestandteilen (Protein, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralien) schlechter ab als der indische Durchschnitt. Im Gegensatz dazu ist der Ernährungsstatus von Kindern in Kerala besser als in Gesamtindien. Auffällig ist vor allem das geringere Auftreten von schwerer Unterernährung, doch es leiden ca. 75% der Kinder an leichter oder mäßiger Mangelernährung. Diese zeigt sich zumeist als Protein-Energie-Mangelernährung und ist als Wachstumsverzögerung zu beobachten. Durch die ‚school-lunch-programmes' konnte schwere Unterernährung eingedämmt werden, da die meisten Kinder eine Schule besuchen. Zudem gibt es ‚feeding-programmes' für Schwangere und Stillende.

Trotzdem ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung besser als zu erwarten wäre, da die Gesundheitsversorgung gut ist. Es gibt ein ausgebautes Netz von öffentlichen und privaten Gesundheitsdiensten, und selbst ländliche Gebiete sind gut versorgt. Vor allem handelt es sich um allopatische Schulmedizin, doch auch um homöopatische und ayurvedische.
Es muss jedoch nach der Repräsentativität der Messungen gefragt werden. Ramachandran merkt an, dass bei der Nahrungsaufnahme gewisse Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Tapioka, welches in anderen Staaten kaum gegessen wird, nicht beachtet wird, dass außer Haus genommene Mahlzeiten nicht beachtet werden und dass die Verteilung innerhalb des Haushalts vernachlässigt wird, welche in Kerala gleichmäßiger ist.
Zu den direkten Ursachen des Ernährungsstatus' gehören vor allem die Nahrungsmittelverfügbarkeit und -verteilung, Einkommen und Kaufkraft sowie die Nahrungsmittelverteilung in der Familie und Mutter-Kind-Fürsorge. Politische und wirtschaftliche Faktoren dürfen hier jedoch nicht vernachlässigt werden. Die Landreform und Kautschukkultivierung spielen eine große Rolle.
Hauptgesundheitsprobleme in Kerala sind übertragbare Infektionskrankheiten, Unterernährung und Anämie. Die schlechte sanitäre Situation ist meist Hauptverursacher.
(vgl. Bau/Kashiwagi, 1994: 26ff; Ramachandran 1996: 225ff )

4.10 Lebensmittelverteilung

Die öffentliche Verteilung von Lebensmitteln möchte ich hier etwas näher betrachten.
In Kerala herrscht zwar ein Nahrungsmitteldefizit, und über 50% des Getreides muss importiert werden, doch hat Kerala das beste Verteilungssyestem Indiens. Es besteht aus ration und fair price shops, in welchen mehr Einkäufe getätigt werden als in anderen indischen Staaten. Das Netz wurde nach der Lebensmittelknappheit 1942/43 infolge von Massenprotesten von der Regierung eingerichtet und nach 1957 von der kommunistischen Partei gefestigt. Die Verteilung geschieht über zwei Ebenen: zum einen durch das Civil Supplies Department der Regierung und dessen ration shops, zum anderen durch die Kerala State Civil Supplies Corporation mit ihren Maveli shops und supermarkets. Ration cards erhalten alle Haushalte, deren Landbesitz nicht groß genug ist, um den Bedarf der Familie zu decken - 1991 waren dies 90% der Haushalte. 1989 wurden pro Person 52 kg Getreide durch ration cards gekauft, im Vergleich dazu waren es in Haryana 5 kg, in Bihar 8 kg und in West Bengal 32 kg.
(vgl. Ramachandran 1996: 244ff)

5 Das Projekt

5.1 BASIS-Projects

Das allgemeine Ziel der Verbesserung der Lebensverhältnisse kann unterteilt werden in die Hauptziele Ernährungssicherung durch Subsistenzlandwirtschaft und Hilfsmaßnahmen zur Sicherung sonstiger Grundbedürfnisse sowie Förderung von Eigeninitiative und Selbständigkeit. Die Aktivitäten können grob in zwei Bereiche unterteilt werden, wie schon im Projektnamen angedeutet: Basic Agricultural and Social Improvement Schemes.

5.1.1 Landwirtschaftliche Aktivitäten

5.1.1.1 Anbau

Auf dem Grundstück wurde die Kautschukbepflanzung der vorigen BesitzerInnen gerodet. Wegen Auslaugung durch die Monokultur musste der Boden (Laterit und Rotlehm) aufbereitet werden. Nach Terrassierung und Randbefestigung, der Erosionsgefahr entgegenwirkend, wurde ein Mischkultursystem mit verschiedenen Pflanzen im charakteristischen Stockwerkbau angelegt. Dies besteht aus Überbau (z. B. Kokos), Fruchtbäumen, niederen Bäumen und Sträuchern, der Bodenschicht (z. B. Ananas) und Kletterpflanzen.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 66, nach: GTZ 1986)
Angebaut wurden Pflanzen, die traditionell in Kerala angebaut, doch durch die Kautschukmonokultur verdrängt wurden. Hierzu gehören:


Durch das so entstandene Ökosystem konnte ein optimaler Lebensraum für Vögel und Kleintiere geschaffen werden, welche für das biologische Gleichgewicht sorgen.
(Bau/Kashiwagi 1994: 65ff; Moozhiyil/Moozhiyil, 1999)

5.1.1.2 Tierhaltung

Die so genannte Backyard-Tierhaltung in Stall und Hof, bei der so viele Tiere (Kühe, Hühner, Ziegen, Schweine) gehalten werden, wie überwiegend aus landwirtschaftlichen Restprodukten gefüttert werden können, ist bei Kautschukbepflanzung kaum möglich. Mit den Restprodukten konnte BASIS-Projects die Tierhaltung jedoch problemlos einführen, da der Mischanbau reichlich Restprodukte liefert, wie zum Beispiel Pflanzenreste von Knollenfrüchten, Bananenstaudenstengel sowie angebautes Futtergras. Gülle wird in einer Biogasanlage genutzt (Fixed-Dome-Plant).
Die Zahl der Tiere variiert wegen Weitergabe.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 69f; Kubutschek/Steinle 1996: 36f; Moozhiyil/Moozhiyil 1993)

5.1.1.3 Biogas

BASIS-Projects hat mit Unterstützung privater und staatlicher Organisationen im Projektgebiet über 100 Biogasanlagen eingerichtet. Zudem wurde ein Schlepper zum Gülletransport angeschafft, welcher auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt wird.

5.1.1.4 Maßnahmen

BASIS-Projects fungiert im landwirtschaftlichen Bereich als Modellfarm.
Insbesondere in den Anfangsjahren wurde viel "experimentiert" , um eine optimale, schonende Landnutzung und Tierhaltung aufbauen zu können. Zu den Maßnahmen, die hier eingeführt wurden, gehören:


Für interessierte DorfbewohnerInnen wird materiell, technisch und finanziell Hilfestellung - die Maßnahmen betreffend - zu Mischkulturanbau und Backyard-Tierhaltung angeboten. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Baumschule, Bereitstellung von Saatgut, Weitergabe von Jungtieren sowie Geräteverleih.
Zur Umsetzung des Projektbeispiels gemäß der Verhältnisse der BäuerInnen dient BASIS-Projects als Lehrbetrieb, in dem von den ProjektinitiatorInnen und MitarbeiterInnen angeleitet und beraten wird. Nach anfänglicher Skepsis und Misstrauen tauchten immer wieder neugierige DorfbewohnerInnen auf, um sich zu informieren. Mittlerweile werden regelmäßig Kälber, Setzlinge von Bananen und Kokospalmen etc. zu vom Projekt subventionierten Preisen abgesetzt, und es gibt einen festen Kundenkreis von Bauernfamilien, die Setzlinge abnehmen. Der Bedarf kann kaum gedeckt werden, so dass teilweise aus Tamil Nadu angekauft werden muß. Insbesondere nach Abholzung von unrentabel gewordenen Kautschukbäumen (nach 25 Jahren) kehren mittlerweile zahlreiche Familien zum traditionellem Mischkulturanbau zurück.
(vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1993; Moozhiyil/Moozhiyil 1999)
Durch das Bananenanbauprojekt beispielsweise werden Bananensetzlinge abgegeben, um den kleinbäuerlichen Obstanbau wieder einzuführen. Beratung und Düngemittelausgaben folgten, und als "Bezahlung" wurde bei erfolgreicher Ernte eine Bananenstaude gegeben. Hühnerimpfprogramme werden gemeinsam mit einem Tierarzt aus dem Dorf durchgeführt.
(vgl. Bau/Kashiwagi, 1994: 73)

5.1.2 Soziale Aktivitäten

5.1.2.1 Nähschule

1991 wurde die Nähschule in einem kleinen, neuen Gebäude auf dem Projektgelände eingerichtet. Sie bietet jungen Mädchen und Frauen eine informelle Ausbildung in Nähen und Sticken. Projektziel ist jedoch, eine Begegnungsstätte zu unterhalten, in der sich Mädchen und Frauen außerhalb der Familie treffen und austauschen können. Vergleichbare Möglichkeiten gibt es im Dorf nicht. Die meisten Mädchen führen nach dem Schulabschluss ein isoliertes leben zu Hause, bestehend aus Hausarbeit, und warten auf ihre Hochzeit. In der Nähschule wird die Möglichkeit gegeben, Talente und Interessen zu entwickeln und zu verfolgen. Zum Beispiel treffen sich Nähschülerinnen einmal pro Woche zu Tanz und Gesang.
Ein wichtiger Punkt ist, dass weder Kasten- noch Religionsschranken ausgeübt werden. In den Anfangsjahren wurde die Nähschule hauptsächlich von unterkastigen oder kastenlosen Christinnen und Hindus besucht. Inzwischen stieg das Vertrauen der Dorfbevölkerung, und die Angst um den Ruf der Töchter sank: Auch Brahmaninnen sind unter den Teilnehmerinnen. Mittlerweile kommen auch Mädchen aus umliegenden Dörfern sowie Musliminnen.
1994 entstand in einem weiteren kleinen Gebäude ein Aufbaukurs. Hier werden Taschen, Rucksäcke und Ähnliches für den Export nach Deutschland und Verkauf im Projekt an Gäste sowie Auftragsarbeiten von Gästen hergestellt. Mehrere junge Frauen und Männer haben hier einen Arbeitsplatz gefunden, was vor allem den Frauen mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit bringt.

5.1.2.2 Kunstschule

Auch diese dient der Einkommenschaffung und als Treffpunkt außerhalb von Familie und kastenbedingter Trennung. Für Export und Projektverkauf werden Briefpapier und Grußkarten per Siebdruckverfahren hergestellt und handkoloriert. Außerdem besteht die Möglichkeit zu zeichnen und malen, musizieren, zu Tanz und Gesang. Künstlerische Fähigkeiten werden im indischen Schul- und Erziehungssystem nicht gefördert, und der Kunstunterricht wird von strengen gestalterischen Regeln beherrscht.
Zehn junge Leute, in der Mehrzahl Frauen, haben hier eine feste Anstellung.

5.1.2.3 Buchbinderei

Angegliedert an die Kunstschule, doch in einem anderen Gebäude untergebracht, ist die Buchbinderei. Ein Buchbinder fertigt Leerbücher, Schreibmappen, Photoalben etc. für den Export an. Bei Aufträgen unterstützen ihn MitarbeiterInnen aus anderen Bereichen.

5.1.2.4 Kindergarten

Der Projektkindergarten, angesiedelt auf dem Gelände der Näh- und Kunstschule, entstand 1996. Eigentlich sollte damit jungen Müttern der Besuch der Nähkurse erleichtert werden, doch mittlerweile kommen mehr und mehr Kinder aus beliebigen jungen Familien des Dorfes.
Die üblichen indischen Kindergärten sind eher Vorschulen oder Lernkindergärten, in denen kaum Raum für Spielen besteht. So erwarten Eltern, dass ihr Kind bereits mit drei oder vier Jahren beginnt, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Deshalb gibt es auch im BASIS-Kindergarten Unterricht, doch mehr Zeit wird freiem Spiel, Malen, Basteln, Singen und Gruppenspielen gewidmet. Die Umstellung auf Kreativität und Spiel statt Disziplin und Lernen geschah vor allem mit Hilfe von Anuradha Moozhiyil, die ihre eigenen Erfahrungen im deutschen Kindergarten einbrachte und die Kindergärtnerinnen langsam an die neue Methode heranführe. Zu Beginn waren die viele Eltern misstrauisch, doch dies verschwand bald nachdem die Kinder mit neuen Ideen, einfachen Bastelarbeiten, Liedern etc. nach Hause kehrten.

5.1.2.5 Do-it-yourself-Werkstatt

Diese bietet die Möglichkeit, unter Anleitung Gegenstände wie Möbel für den Eigenbedarf herzustellen. Handwerkliche Arbeiten werden als minderwertig angesehen, und viele künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten sind vom Aussterben bedroht. Durch die Werkstatt soll diese Abneigung abgebaut werden und eine Beschäftigungsmöglichkeit und Einkommensquelle geboten werden.
Ein Schreiner und ein Schmied, welche auch im Projekt Reparaturen durchführen und Gegenstände herstellen, leiten an und bilden aus. Die Teilnehmenden tragen nur die Materialkosten.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 20)
Ein offener Geräteverleih bestand in den ersten Jahren, musste jedoch wegen unzuverlässiger Rückgaben eingeschränkt werden.


5.1.2.6 Trinkwasserversorgung

Wie unter 4.9 erwähnt, treten Krankheiten, welche durch Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen verursacht werden, in Kerala häufig auf. Dem wirkt BASIS-Projects durch Präventivmaßnahmen wie Brunnenbau und Toilettenbau entgegen.
In Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung, der Tempel und der Kirchengemeinde wurden seit 1993 Trinkwasserversorgungsanlagen eingerichtet.
In hügeligen Gebieten Keralas herrscht häufig während der Trockenzeit Trinkwasserknappheit, wofür die Kautschukmonokultur mitverantwortlich ist. Hiervon sind vor allem sozial schwache Familien betroffen, die keinen eigenen Brunnen besitzen. So werden an tief liegenden Stellen Brunnen gegraben und an höheren Orten Wassertürme gebaut, in die das Wasser durch unterirdisch verlegte Leitungen gepumpt wird. Durch ein Straßenverteilungssystem gelangt es an öffentliche Zapfstellen. DorfbewohnerInnen beteiligen sich mit Arbeitskraft oder finanziellen Beiträgen.
Das Programm ist sehr erfolgreich, und die chronische Trinkwassernot konnte so behoben werden. Zudem wird durch das sauberere Wasser der Gesundheitszustand verbessert.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 13, 29)

5.1.2.7 Toilettenbau

Sozial schwache Haushalte besaßen in Sreekandamangalam keine eigene Toilette. Die Notdurft wird dann üblicherweise auf den Feldern verrichtet. Problematisch wird dies besonders während des Monsoon, wenn Fäkalien in nicht ummauerte Brunnen gespült werden.
Interessierte Familien werden zu 50% bezuschusst, um eine eigene Toilette zu bauen. Ihr eigener Anteil besteht neben finanzieller Beteiligung auch im Arbeitseinsatz. Beispielsweise nutzen einige Nähschülerinnen die Rücklagen ihres Verdienstes zum Toilettenbau.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 28; Bau/Kashiwagi 1994: 75)

5.1.2.8 Nothilfemaßnahmen

Im Rahmen des Nothilfeprogramms wird kurz- oder langfristig schnell finanzielle Hilfe, teils durch Kredite, geleistet.
Dies ist zum Beispiel der Fall bei Monsoonüberschwemmungen, extremer Trockenheit oder Tod bzw. Krankheit des Hauptverdieners/der Hauptverdienerin. Versicherungen können nicht abgeschlossen werden; die Familien stehen in solchen Situationen vor dem Ruin, wenn Nachbarn oder Verwandte nicht unterstützen können.
Für Ernährung, Bekleidung, Reparaturen, medizinische Versorgung, Ausbildung etc. werden insbesondere Witwen und alte oder/und kranke Menschen finanziell unterstützt. Präventivmaßnahmen (wie stabile Dachdeckung), Ermutigung zu Kleingewerbegründung oder Ähnliches) sowie Zusammenarbeit mit Institutionen gehören ebenso zu dem Programm. Eigeninitiative ist Vorbedingung.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 36)

5.1.2.9 Medizinische Versorgung

Das Projekt hat zwar keine Einrichtung für medizinische Versorgung, steht jedoch als Ort zur ambulanten Behandlung zur Verfügung. Von Leelamony Moozhiyil, ausgebildete Krankenschwester, werden kleine Verletzungen etc. behandelt und Erste Hilfe geleistet. Aufklärung über Hygiene und Ernährung gehören dazu.
In der Fertigstellungsphase befindet sich ein Gebäude, in welchem der traditionellen indischen Ayurveda-Kräuterheilkunde ein Platz geschaffen werden soll. Hier soll gelehrt, untersucht und geheilt werden. Im hausnahen Garten sollen Arzneipflanzen gezogen werden.

5.1.2.10 Hausbau

In der Planungsphase ist ein Häuserbauprojekt für benachteiligte Mitglieder der Gesellschaft. Mietverhältnisse sind als Folge der Landreform (siehe 4.4.3) nicht existent. So sollen zum Beispiel Paare, die aus Liebe geheiratet haben und von ihren Familien verstoßen wurden, allein erziehende Mütter oder behinderte Menschen beim Bau eines eigenen einfachen Hauses unterstützt werden. Zusammenarbeit besteht mit Banken, die günstige Kredite vergeben.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1999)

5.1.3 Akzeptanz bei der Bevölkerung

Zunächst wurde der Familie Moozhiyil trotz Herkunft aus dem Projektgebiet und trotz ihrer hohen Stellung als "AuslandsinderInnen" viel Misstrauen und Abneigung entgegengebracht. Nach Abholzung der Kautschukanpflanzung auf dem Grundstück wurden sie schlicht als ‚verrückt' betrachtet. Akzeptanz entwickelte sich, als Erfolg des Mischkulturanbaus sichtbar wurde. Erstes Interesse zeigte sich, als Bauern kamen, um erst Setzlinge, später Zuchttiere zu erstehen. Wie bereits unter 5.1.1.4 erwähnt, kann der Bedarf vom Projekt allein nicht mehr gedeckt werden, und mehr und mehr Familien kehren zumindest teilweise zum traditionellen Anbau zurück.
Die Teilnehmerinnen der Nähkurse und die Kinder des Basis-Kindergartens stammen mittlerweile aus allen Bevölkerungsschichten der beiden Religionen.
Zu Beginn wurden die Aktivitäten des Projekts von der Kirche - ein Priesterseminar befindet sich auf einem benachbarten Grundstück - als Konkurrenz gesehen. Das Verhältnis war sehr distanziert und für die Familie Moozhiyil eher ein Drahtseilakt, da sie sich als gläubige ChristInnen nicht mit der Kirche entzweien wollten und ihre Sichtweise nicht völlig mit den Priestern übereinstimmt. Mittlerweile ist das Projekt - nicht ohne die Geduld und Toleranz von Mathew und Leela Moozhiyil - auch von der Kirche anerkannt und geschätzt.

5.1.4 Förderkreis Indienhilfe e.V.

Der Förderkreis Indienhilfe e.V. wurde 1988 vor der Rückkehr der Familie Moozhiyil nach Indien von FreundInnen und Bekannten in Gießen gegründet, um BASIS-Projects zu ermöglichen. Der Mitgliedsbetrag beträgt DM 36.- im Jahr, und es werden auch größere Spenden getätigt. Geleitet wird der Förderkreis durch einen Vorstand und die Mitgliederversammlung.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1993: 5)
Projektanträge werden hier geprüft und meist genehmigt. Durch die persönliche Beziehung ist das Verhältnis recht gut und eher partnerschaftlich, doch die Abhängigkeit bleibt.

5.1.5 BASIS-MitarbeiterInnen

Die 30 MitarbeiterInnen in Landwirtschaft, Tierhaltung, Buchhaltung, Näh- und Kunstschule und Kindergarten sind zwar in der Mehrheit in einem bestimmten Bereich eingestellt, wechseln bei Bedarf jedoch in andere Bereiche, je nach persönlicher Eignung und Verantwortungsbereitschaft. Durch die Abwechslung und Weiterbildung ist dies nicht unbeliebt. Insbesondere bei Besuch der Reisegruppen (siehe unter 5.3) ist dies der Fall oder bei größeren Auftragsarbeiten.
Die Löhne liegen im mittleren Bereich bei vergleichbar höheren Anforderungen. Für jede/n MitarbeiterIn wird jedoch ein zusätzlicher Betrag angespart, der für größere Ausgaben mit Zuschüssen vom Projekt verwendet werden kann (zum Beispiel Toilettenbau, Hausbau, Kauf einer Nähmaschine oder bei Kündigung als Kapital zur beruflichen Selbständigkeit).

5.2 Basis-Handproducts

Basis-Handproducts ist der Bereich des Projekts, über den die wachsende Zahl von Produkten nach Deutschland exportiert wird. Es handelt sich um in Näh- und Kunstschule sowie Buchbinderei hergestellte Produkte wie Rucksäcke, Taschen, Briefpapier, Briefmappen, Collegemappen, Brustbeutel, Aerogramme, bestickte Taschentücher, Photoalben, Leerbücher etc. Immer wieder wurden einige Produkte (Rucksäcke und Grußkarten) über den TEAM-Versand in Deutschland abgesetzt. Es wird ständig an neuen Produkten gearbeitet, initiiert häufig durch von Gästen mitgebrachte Modelle oder Anfragen. In Zusammenarbeit mit PraktikantInnen, Reisegruppen und anderen Gästen werden für den deutschen Markt geeignete Modelle, Designs und Farbkombinationen erstellt. Zurzeit wird versucht, ein Kommissionslager in Deutschland einzurichten, da kleine und mittelgroße Aufträge durch die hohen Transportkosten nicht rentabel sind.

5.3 Basis-International

Einer der Schwerpunkte des Projekts ist, ein Ort für internationale Begegnung zu sein. Durch die Verbindung mit Deutschland wurde dies jedoch eher zu deutsch-indischer Begegnung. Durch den Austausch soll einerseits die Brücke zur "zweiten Heimat" aufrechterhalten werden, andererseits können (und sollen) BesucherInnen dazu beitragen, Misstrauen, Vorurteile und Distanz Fremden gegenüber zu verringern. Der Umgang mit den Deutschen, welche keine Kastenschranken und weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern kennen, führt häufig zum Hinterfragen des starren Kastendenkens. Selbstverständlich sind auch negative Erfahrungen mit einzelnen BesucherInnnen ein Teil des Austausches - was eher als Erfahrungsbereicherung gesehen wird. Zu betonen ist hier die grenzenlose Geduld, die Toleranz, Gastfreundschaft und das Verständnis, was den Gästen entgegengebracht wird.
Zwischen 1990 und 1997 fanden 14 Freiwilligendienste bzw. Workcamps im Projekt statt. Sieben bis zehn junge Menschen arbeiteten für sechs Wochen in den verschiedenen Bereichen mit. Die persönliche Begegnung und Integration im Dorf sowie Selbstentfaltung standen hier im Vordergrund, und es wurde ein großes Maß an Freiheit gegeben, eigene Ideen (zum Beispiel in der Nähschule) umzusetzen. Vorbereitungsseminare und Nachtreffen waren feste Bestandteile der Workcamps. Sie wurden durch das Jugendaufbauwerk pro international e.V. in Marburg organisiert.
Seit 1997 besuchen viermal jährlich für drei Wochen Gruppen von zehn bis zwölf Personen das Projekt. Die Reisen werden im Rahmen des sog. ‚Sanften Tourismus' organisiert vom Waschbärreisen-Kulturprogramm in Verbindung mit TEAM-Reisen. Die Teilnehmenden, in der Mehrzahl Frauen, befinden sich in allen Alters- und Berufsgruppen, sind meist sehr interessiert an Projekt- und Entwicklungsarbeit und werden schriftlich genau auf den Aufenthalt vorbereitet. Das Programm umfasst eine einwöchige Rundreise durch Kerala und Tamil Nadu, Tagesausflüge, Backwaters-Bootsfahrten, Elefantenritte, Integration in die Projektarbeit und viele Diskussionen. Mittlerweile werden auch Ayurveda- und Familienreisen ins Projekt angeboten. Das Feedback der BesucherInnen ist äußerst positiv - die Mehrzahl bleibt dem Projekt durch Korrespondenz eng verbunden.
Durch Anfragen von Waschbär-Reisenden entstand der Plan, längere Aufenthalte und Mitarbeit im Projekt zu ermöglichen. Im Ayurvedagebäude werden Gästezimmer zur Verfügung gestellt.
Ab 1996 sendete die Carl-Duisberg-Gesellschaft mehrere Jahre über das ASA-Programm (Akademische Studienaufenthalte in Asien, Afrika und Lateinamerika) StipendiatInnen zu BASIS-Projects. Die Praktika werden in Deutschland durch Seminare vorbereitet. Im Projekt besteht die Mitarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Haushalts- und Ernährungswissenschaften, Sozialwissenschaften, Pädagogik und angepasste Technologie. Die in diesem Bericht verwendete Arbeit von Wolfgang Kubutschek und Heidi Steinle basiert auf einem ASA-Aufenthalt. 1998 erarbeiteten zwei weitere Praktikantinnen gemeinsam mit zwei indischen Botanikerinnen einen Katalog über ayurvedische Heilpflanzen, welche im Projektgebiet zu finden sind.

5.4 Finanzierung

BASIS-Projects, Basis-Handproducts und Basis-Interantional sind zwar finanziell und rechtlich getrennte Unternehmen, doch werden Ausgaben wie Löhne bei Finanznot eines Bereiches verschoben. Das Wechseln von MitarbeiterInnen wird in der Buchhaltung genau verzeichnet. 1998 und Anfang 1999 hatte Basis-Handproducts kaum Einnahmen; so wurden Löhne der Beschäftigten in Näh- und Kunstschule durch Einnahmen aus Basis-International gezahlt.
Die beiden Bereiche Handproducts und International unterstützen das Projekt enorm auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Zwar ist die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Indienhilfe e.V. gut und auf freundschaftlicher Basis aufgebaut, es bleiben jedoch Abhängigkeit, Ungleichgewicht, Zwang zur Rechtfertigung von Ausgaben, Anträge etc., um die Förderung zu erhalten. Der Schritt zur Unabhängigkeit durch Tourismus und Produktion, das heißt Finanzierung durch Leistung, führte zu auch bei MitarbeiterInnen zu größerer Verantwortungsbereitschaft und höherer Leistung als bei Finanzierung durch Spenden.
Der Vorschlag eines GTZ-Mitarbeiters und Freundes der Familie, einen GTZ-Antrag über DM 30.000.- zu stellen, wurde abgelehnt, um sich nicht in weitere Abhängigkeiten zu begeben.

Beeindruckend ist, wie mit Geduld und ohne Druck sinnvolle Entwicklungsarbeit geleistet werden kann.
Eigeninitiative als Grundvoraussetzung erweist sich als Hauptfaktor für Nachhaltigkeit.


Ich danke Leela und Mathew!

Nachtrag

2001 erhielt Basis International den ToDo!-Preis des Studienkreis für Tourismus im Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus. Eine ausführliche Preisbegründung ist auch im Internet zu finden unter http://www.studienkreis.org/deutsch/wettbewerbe/todo/01indien.html.

Leela und Mathew bei der Preisübergabe, Foto: Studienkreis

 


6 Literatur

 

Waschbär-Reisen bietet Projektreisen ins BASIS-Projekt
Infos unter der Waschbär-Reisen Homepage
(Indien: Projektreise, Indien for family, Ayurveda)