von Anisha Schubert, Bremen, 1999
Dieser Bericht entstand infolge eines dreimonatigen Praktikums bei BASIS-Projects in Sreekandamangalam im südindischen Bundesstaat Kerala. Durch einen sechswöchigen Freiwilligendienst, organisiert von pro international e.V. Marburg, habe ich dieses Projekt und die Familie Moozhiyil 1992 kennen und schätzen gelernt. Ein- bis vierwöchige Besuche und Mitarbeit in den folgenden Jahren vertieften dies, so dass ich mich Ende 1998, im Anschluss an ein Praktikum bei der nepalesischen Frauenorganisation MAITI Nepal, zu einem weiteren dreimonatigen Praktikum bei BASIS-Projects entschloss. Dies geschah im Rahmen meines Aufbaustudiums "Entwicklungspolitik mit Schwerpunkt Nicht-Regierungsorganisationen" an der Universität Bremen.
Im Folgenden möchte ich die Aktivitäten von BASIS-Projects beschreiben. Um diese richtig einschätzen zu können, werde ich nach kurzer Darstellung der Projektgründung die Verhältnisse im indischen Bundesstaat Kerala im vierten Kapital genauer betrachten. Auf manche Punkte, die für die Projektarbeit relevant sind, werde ich mit Hilfe von Fachliteratur genauer eingehen, wie zum Beispiel Landreform, Ernährungslage, Kautschukanbau und Bildung. Anderes werde ich vernachlässigen. Das fünfte Kapitel werde ich schließlich BASIS-Projects widmen.
BASIS-Projects (Basic Agricultural and Social Improvement Schemes) ist ein gemeinnütziges integriertes Dorfentwicklungsprojekt in Kerala, Südindien, mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität. Ernährungssicherung und Eigeninitiative sowie Förderung von Frauen stehen im Mittelpunkt. Das Projekt finanzierte sich in der Anfangsphase hauptsächlich durch Spenden aus Deutschland. Hinzu kamen zwei weitere, rechtlich und finanziell getrennte Bereiche: Basis-Handproducts und Basis-International. Basis-Handproducts stellt Waren wie Rucksäcke oder Briefpapier für den Export nach Deutschland her. Im Rahmen von Basis-International werden Aufenthalte im Projekt unter dem Motto 'Sanfter Tourismus' durchgeführt.
Die ProjektinitiatorInnen Leelamony (Jahrgang 1951) und Mathew Moozhiyil (Jahrgang 1946) wuchsen beide in Kerala auf. Ihr Weg führte sie unabhängig voneinander nach Deutschland, wo Leela eine Krankenschwesterausbildung absolvierte und Mathew Agrarwissenschaften studierte und promovierte. Als Ehepaar kehrten sie 1989 mit ihren Töchtern Anuradha (Jahrgang 1978) und Theresa (Jahrgang 1982) nach Kerala zurück. 1993 wurde ihr Sohn Christoph geboren. Nach zwanzig Jahren Ausbildung und Berufsleben in Deutschland wollten sie ihre Fachkenntnisse und ihre Erfahrungen in beiden Kulturen sinnvoll in ihrem Heimatland einbringen. Im Mai 1990 wurde BASIS-Projects gegründet; seit 10.04.1992 ist es eine eingetragene Stiftung. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von Beginn an durch den Förderkreis Indienhilfe e.V., Gießen, gegründet von FreundInnen und Bekannten der Familie.
Der Bundesstaat Kerala nimmt mit einer Fläche von 38.863 km² nur 1.18% des Staatsgebietes Indiens ein und liegt mit seiner Hauptstadt Thiruvananthapuram (früher Trivandrum) im Südwesten des Landes. Kerala ist geografisch in drei Regionen aufgeteilt:
Das keralesische Klima, den immerfeuchten Tropen zugehörig, ist geprägt von zwei Regenzeiten, dem Südwestmonsoon von Juni bis August und dem Nordostmonsoon im Oktober/November. Selbst in den Trockenzeiten gibt es immer wieder Niederschlag - im Gegensatz zu Restindien. Die Temperaturen im Projektgebiet liegen bei ca. 26 - 33 C. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und sinkt selbst während der Trockenzeit nicht unter 60%.
Die Geschichte der
Fremdherrschaft Keralas ist geprägt durch die Portugiesen: 1498 landete
Vasco da Gama in Kozhikode (Calicut). Im 17. Jahrhundert übernahmen die
Engländer die Herrschaft, welche schließlich 1947 mit der Unabhängigkeit
Indiens endete. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde während der Kolonialzeit
durch Einführung von fremden Nutzpflanzen und Plantagenwirtschaft geprägt
und ganz den europäischen Bedürfnissen angepasst. 1956 entstand der
Bundesstaat Kerala durch die Neugliederung der Staaten nach der mehrheitlich
gesprochenen Sprache Malayalam. Kerala wurde zusammengesetzt aus Malabar, früher
der Madras Residency der Britischen Kolonialmacht zugehörig, sowie Travancore
und Cochin, zwei Herrscherstaaten. In der Weltpresse erschien Kerala, als 1957
zum ersten Mal eine kommunistische Partei (unter E.M.S. Nambooridipad) die Mehrheit
im Parlament gewann. Seither wechseln Kommunisten und Congress in der Regierung
- auch "Seesaw Democracy" genannt. Die kommunistischen Regierungszeiten waren
zwar jeweils nur von kurzer Dauer (1957-59, 1967-69, 1980-81, 1987-91), doch
brachten sie einige Veränderungen im politischen und sozialen Bereich mit
sich (siehe unter 4.4.3).
(vgl. Ramachandran 1996: 211)
Der primäre
Sektor wird in Kerala besonders betont, der industrielle ist eher vernachlässigt.
Investoren zögern wegen der vielen Regierungswechsel bzw. der politischen
Instabilität und der starken Gewerkschaftsbewegung. Kapitalistisches Unternehmertum
ist kaum entwickelt. Beim primären Sektor handelt es sich um Land-, Forst-,
Plantagen- und Fischereiwirtschaft. Für die Landwirtschaft wird ca. 86%
der Fläche Keralas genutzt. Die Nahrungsmittelproduktion stagniert, und
Kerala ist von Importen, vor allem aus dem Nachbarstaat Tamil Nadu, abhängig.
Laut ‚Economic Review' 1992 wird 60% des Getreides importiert. Getreideknappheit,
besonders während der Regenzeit, ist keine Seltenheit. Schuld daran ist
die Ausrichtung auf kommerzielle Produkte statt auf Grundnahrungsmittel. 92%
des Kautschuks Indiens, 70% der Kokosernte, 60% des Tapioka und fast 100% des
Zitronengrasöls werden von Kerala produziert. Die Subsistenzlandwirtschaft
der Farmbetriebe musste zum größten Teil den Plantagen weichen. Die
ökonomische Leistung der Subsistenzproduktion wird wenig sichtbar, so sind
Regierungen wie die indische eher an cash crops interessiert. Die keralesische
Wirtschaft beruht vor allem auf der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse,
wie zum Beispiel Kokosverarbeitung, Handweberei, Verarbeitung von Cashewnüssen
und Kautschukindustrie. Für KleinbäuerInnen bietet die Subsistenzlandwirtschaft
mit Mischkulturanbau viele Vorteile: Ressourcen (Anbaufläche, Wasser, Arbeit)
werden besser genutzt, die Bodenfruchtbarkeit bleibt erhalten, der Boden ist
besser vor Erosionen und Austrocknung geschützt, die Produktion ist nachhaltig,
es gibt keine Marktrisiken, es besteht Nahrungssicherheit und die Ernährung
ist ausgewogener.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 8ff, 36, 55, 70f; Ramachandran 1996: 216f)
Kerala hat die höchste
Arbeitslosenrate Indiens, gleichgültig welche Messweise angewandt wird.
Es handelt sich vor allem um sehr gut ausgebildete Arbeitslose. Um einen festen
Arbeitsplatz zu erhalten, ist für eine Person mit Schulabschluss eine Wartezeit
von 48 Monaten durchschnittlich (Ramachandran 1996: 218).
Kerala hat eine lange Geschichte von Arbeitsmigration; schon vor der Unabhängigkeit
wanderten viele KeralesInnen als PlantagenarbeiterInnen ab. Seit den 70er Jahren
sind viele KeralesInnen im Ausland, meist in den Golfstaaten, beschäftigt.
Dort ernährt häufig ein Familienmitglied die gesamte Familie in Kerala.
Das Auslandsgeld ist ein Grund für den höheren Lebensstandard in Kerala.
Im Nettoinlandsprodukt ist es nicht enthalten, doch wenn Untersuchungen zu Pro-Kopf-Ausgaben
betrachtet werden, werden höhere Ausgaben im Vergleich zum indischen Durchschnitt
sichtbar.
(vgl. Ramachandran 1996: 218ff)
Im Gegensatz zu akademischen Berufen sind im handwerklichen und landwirtschaftlichen
Bereich Arbeitsplätze vorhanden und werden mangels keralesischer ArbeiterInnen
bzw. Handwerker häufig von ArbeitsemigrantInnen aus dem benachbarten Tamil
Nadu besetzt.
Hochkastige lehnen handwerkliche und landwirtschaftliche Tätigkeiten meist
ab, sie fühlen sich ihrer unwürdig. Unterkastige oder Kastenlose lebten
zwar früher hauptsächlich von Handwerk und Landwirtschaft, doch die
meisten führen diese Arbeit (außer auf dem eigenen Feld) heute nicht
mehr aus. Bürokarrieren werden nun angestrebt. Durch die staatliche Quotenregelung,
welche benachteiligten Bevölkerungsgruppen Chancengleichheit geben soll,
wird ihnen der Einstieg in den staatlichen Dienst ermöglicht. Außerdem
hat Keralas hohe Bildungsrate zur Folge, dass ‚profane' handwerkliche und landwirtschaftliche
Berufe als minderwertig betrachtet werden (BASIS-Project, undatiert).
In Athirampuzha sind 4000 Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, in
der Verwaltung, in Banken, der Universität etc. sind es 1800 und in der
(Klein-) Industrie 1535 Personen. Es gibt 5447 Arbeitslose (Athirampuzha Panchayat
1996).
Der Distrikt von
Kottayam hat die größte Anbaufläche von Kautschuk (108.433 Hektar)
der keralesischen Distrikte (sonst ca. 3000 - 54.000 Ha). Früher wurden
alle lokalen Nutzpflanzen in einem geschlossenen System angebaut, was zu einer
ausgewogenen Ernährung führte. Seit über dreißig Jahren
wird der Kautschukanbau staatlich subventioniert und hat die Mischkulturlandwirtschaft
vor allem im Distrikt Kottayam weitgehend verdrängt. Dadurch wurde zudem
die so genannte Backyard- Tierhaltung verdrängt, die dann möglich
ist, wenn landwirtschaftliche Restprodukte zur Fütterung verwendet werden
können. Ca. 65% der Kautschukproduktion wird für die Reifenproduktion
verwendet. Außerdem kann nach Abholzung das Holz verwendet werden, und
Samen werden zur Ölgewinnung in der Seifen- und Farbindustrie genutzt.
Erst nach sieben Jahren können die Bäume zur Gewinnung des Saftes
angezapft werden. Die AnbauerInnen erhalten jedoch bis ins achte Jahr Subventionen
(für sieben Jahre 3- 5000 Rs. pro ha im Jahr, im achten Jahr 2500 Rs. pro
ha). Der Anbau wird ab ca. 25 Jahren nicht mehr rentabel.
Das ‚Rubber Board' wurde 1955 in Kottayam von der indischen Regierung gegründet
und versichert zusätzlich neben der finanziellen Unterstützung gegen
Verluste und Zerstörung. Außerdem gehören Beratung, Training,
Subventionierung von Materialien wie Düngemittel, Sprühgeräte
oder Verarbeitungsausrüstung sowie Forschung durch das Rubber Research
Institute of India und Preisstützung (durch Mindestpreis und Stützungskäufe)
zu den Aufgaben. Der Durchschnittsertrag lag 1995/96 bei 1422 Tonnen/ha. Der
Verkaufspreis für die AnbauerInnen hängt von der Reinheit des Kautschuks
ab und ist trotz Rubber Board Schwankungen unterworfen. 1997 war ein schlechtes
Jahr für die AnbauerInnen. Die Nachfrage war durch globale Rezession schlecht,
und die Preise sanken. Die instabile politische Lage und vor allem die breite
ArbeiterInnenbewegung mit Lohnforderungen, Streiks etc. verhindern den Ausbau
der Kautschukindustrie.
Der Anbau selbst ist nicht sehr arbeitsintensiv.
Wie oben erwähnt, hat der Kautschukanbau die Subsistenzlandwirtschaft
verdrängt. Durch den hohen Blausäuregehalt ist zwischen den Bäumen
kein weiterer Anbau möglich. Zudem ist die ökologische Vielfalt eingeschränkt.
Weitere Nachteile und Folgen der Monokultur sind die schlechte Ernährungslage
der Bevölkerung und die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 56ff, Malayala Manorama 1999: 118; Kubutschek/Steinle
1996: 31ff, Moozhiyil/Moozhiyil 1999)
Im Panchayat Athirampuzha wird auf 52.4% der Anbaufläche Kautschuk angebaut;
27.3% sind mit Kokospalmen bepflanzt, und auf der restlichen Fläche wachsen
Reis, Gewürze, Cashewnüsse, Gemüse, Bananen, Knollenfrüchte,
Kakao etc. Die Anbauflächen sind sehr klein: knapp 75% der Familien (6212
von 8359) besitzen weniger als 0,5 ha Land .
Eine Untersuchung hat gezeigt, dass der Anbau im Mischkultursystem trotz Subventionierung
finanziell profitabler ist als Kautschukanbau. Der Anbau von Kautschuk ist jedoch
bei weitem weniger arbeitsaufwendig.
Bei Betrachtung der
wirtschaftlichen Situation Keralas ist die Landreform von großer Bedeutung.
In Kerala herrschte traditionell Großgrundbesitz, welcher in der Kolonialzeit
in ein noch repressiveres System umgewandelt wurde. Im 19. Jahrhundert häuften
sich Proteste der unterdrückten ländlichen Bevölkerung. Agrarbewegungen
gegen Großgrundbesitzer und Staat nahmen ihren Lauf, wie zum Beispiel
die Mappila-Bewegung. Später vereinigte sich die Unabhängigkeitsbewegung
mit dem Kampf gegen die Großgrundbesitzer. Bald nach der Unabhängigkeit
kam die kommunistische Partei an die Macht, welche 1957 die Landreform einleitete.
Es gab neue Pachtgesetze, welche den PächterInnen mehr Sicherheit garantierten
und die Rechte der BesitzerInnen reduzierten. Zudem wurde den BestellerInnen
Land zu geringen Preisen übereignet. Die Pachtgesetze waren relativ erfolgreich.
Im Gegensatz dazu konnten die Höchstbesitzgrenzen kaum durchgesetzt werden.
In der Folge gab es gewalttätige Kampagnen oppositioneller Gruppen, die
kommunistische Regierung wurde vom Präsidenten aufgelöst, und die
folgende Congress-Regierung führte Veränderungen der Reformgesetze
ein. Schlupflöcher wurden erkannt, wie zum Beispiel der Wechsel zum Plantagenanbau.
Viele Organisationen kämpften mit Demonstrationen und Landbesetzungen für
die Umsetzung der Gesetze und trafen auf Gegenangriffe von Polizei und Armee,
Verhaftungen und Schlägertruppen der Großgrundbesitzer. Trotzdem
hat die Landreform dazu beigetragen, die ungleiche Verteilung von Land zu reduzieren,
Großgrundbesitz zu schmälern und PächterInnen mehr Schutz zu
geben. Zudem erleichterte die Landreform sozialen Wandel. Das Bewußtsein
über Rechte wurde gestärkt. Festzuhalten ist, dass die Reform nicht
von oben kam, sondern durch den Kampf von Organisationen und schließlich
von der an die Macht gebrachten Partei. Im Gegensatz zu 1961/62, als 30,9% der
Haushalte Keralas landlos waren, betrug die Zahl 1982 nur noch 12,8%. Großbesitz
über 2,5 acre besaßen 1961/62 12,8% der Haushalte (69,6% des Landes),
1982 waren es 9,3% . Eine Folge der Landreform ist die Furcht vor Pacht- und
Mietverhältnissen auf der Seite potentieller VerpächterInnen bzw.
VermieterInnen. Sie fürchten, PächterInnen/MieterInnen könnten
Land bzw. Haus/Wohnung übereignet bekommen. Mietverhältnisse sind
auf dem Land daher quasi unbekannt.
In Kerala reicht
der produzierte Strom nicht zur Deckung des Bedarfes. Täglich gibt es abends
dreißig Minuten Stromausfall, wobei die Zeiten in jedem Gebiet wöchentlich
wechseln. Zudem treten häufig unangekündigte Stromausfälle auf,
welche vor allem für Industrie und Landwirtschaft (zum Beispiel bei Elektropumpen
für Reisfelder) problematisch sind.
Die meisten Familien in ländlichen Gebieten haben einen eigenen Brunnen.
In der Küstenregion wird die Trinkwasserversorgung während der Trockenzeit
durch das einfließende Meerwasser problematisch.
Die Bevölkerung
Keralas beträgt ca. 29 Mio. Menschen, 3.43% der Bevölkerung Indiens.
Nach West Bengal ist Kerala der am dichtesten bevölkerte Bundesstaat Indiens
mit 1991 747 Menschen pro km² - ohne dass sich die Bevölkerung, wie
sonst üblich in Indien, auf wenige Ballungszentren konzentriert. Kerala
hat keine Millionenstädte.
Es besteht kein sehr großer Unterschied zwischen ländlichen und städtischen
Regionen. In den Dörfern gibt es selten die Aufteilung in besiedelte Fläche
und landwirtschaftlich genutztes Gebiet; die Häuser sind verteilt und befinden
sich inmitten des bebauten Landes.
Der Athirampuzha Panchayat ist besonders dicht besiedelt mit 1800 Menschen pro
km², 36.140 Menschen auf 20,1 km.
Insgesamt zeigt sich Kerala, was Bevölkerungswachstum betrifft, im Vergleich
zu Gesamtindien fortschrittlich. 1981 - 91 betrug dieses in Kerala nur 13.98%,
in Indien jedoch 23.50% .
Die prozentuale Verteilung der Bevölkerung Gesamtindiens, Keralas und Athirampuzhas auf die drei vorherrschenden Religionen Hinduismus, Islam und Christentum zeigt sich äußerst unterschiedlich. Im Projektgebiet Athirampuzha dominiert die christliche Religion.
Es gibt unterschiedliche christliche Gemeinden in Kerala. Die Mehrheit wird vom syrischen Christentum gebildet, welches der Legende nach vom Apostel Thomas im 1. Jahrhundert eingeführt wurde. Wie im Hinduismus ist das Kastenwesen auch im indischen Christentum vorherrschend.
In der hinduistischen Kastenhierarchie
stehen die Namboodiris, patrilineare Brahmanen, ganz oben und genießen
am meisten soziale Freiheit. Die matrilinearen Nayars sind im unteren Teil der
Hierarchie einzustufen. Außerhalb der Kasten stehen die Izhavas am höchsten.
Sie verrichten meist landwirtschaftliche Arbeit. Bedeutsam ist jedoch, dass
sich unter ihnen auch Sanskritgelehrte, Ayurveda-Ärzte und Astrologen befinden,
was sich schließlich auf die Reformbewegung der Izhavas auswirkte. Sie
forderten Grundschulbildung für alle Jungen und Mädchen und gingen
gegen Bräuche wie Tempelverbot für Kastenlose vor. Der bekannteste
Vertreter Sree Narayana Guru wird heute noch in allen Gegenden Keralas verehrt.
(vgl. Ramachandran 1996: 275f)
In der Vergangenheit
wurden extreme Formen der 'Unberührbarkeit' praktiziert. Sklavenkasten
wie Pulayar, Parayar oder Cherumur, Stammesangehörigen sowie der Izhava
Kaste wurde der Zugang zu Tempeln, öffentlichen Plätzen, Straßen,
Wasserstellen etc. verweigert. Sie durften nur die zugewiesenen Berufe ausüben,
keine saubere oder feine Kleidung tragen, keine Milchkühe besitzen, keine
Regenschirme oder Schuhe tragen, und bestimmte Worte (wie 'ich') nicht im Gespräch
mit Höherkastigen benutzen. Zudem gab es Regeln zur 'unseeability', das
heißt Höherkastige betrachteten sich bereits beim Anblick eines/r
Kastenlosen als verunreinigt.
(vgl. Ramachandran 1996: 274ff)
Kerala hat einen
Frauenanteil von 1040 pro 1000 Männer und steht damit an erster Stelle
der indischen Bundesstaaten und weit über dem indischen Durchschnitt von
927. Vergleichbaren Stellenwert hat die Alphabetisierungsrate von Frauen: 86.93%
in Kerala, 36.0% in Indien . Trotzdem wird Kerala gesellschaftlich von Männern
dominiert, wie auch Restindien.
Besonders in ländlichen Gebieten hat die Familie eine übergeordnete
Stellung, und es gibt eine klare Hierarchie. Die Frauen stehen immer im Schatten
der männlichen Familienmitglieder. Sie werden erst von Vätern und
Brüdern, nach der Heirat vom Ehemann und dessen Familie und schließlich
von ihren Söhnen bevormundet. Erst als Mütter von Söhnen erhalten
sie eine etwas höhere soziale Stellung. Frauen werden weniger als eigenständige
Menschen betrachtet, sondern eher als Dienerinnen. Von ihnen wird erwartet,
sich schüchtern und bescheiden im Hintergrund zu halten und gehorsam zu
sein. Abgesehen von Ausbildung und Arbeit dürfen Frauen kaum das Haus verlassen,
eigenen Interessen nachgehen oder diese überhaupt erst entwickeln. Außer
in der Familie und in der Nachbarschaft gibt es kaum Möglichkeiten, sich
in der Freizeit mit anderen Menschen auszutauschen. Zwischen den Geschlechtern
besteht im öffentlichen Leben eine strenge Trennung, die bereits im Kindergarten
beginnt. In der Schule, in der Universität, im Bus etc. sitzen Männer
und Frauen getrennt voneinander. Gemischtgeschlechtliche Gruppen bilden sich
nicht. Ebenso wenig sind freundschaftliche Beziehungen zu Männern außerhalb
der Familie erlaubt bzw. geradezu unmöglich. Durch diese gesellschaftlichen
Strukturen sind Frauen und Männer im Umgang miteinander unsicher.
Eine Heirat wird in Kerala fast immer von den Eltern arrangiert, häufig
über Zeitungsinserate. Das durchschnittliche Heiratalter beträgt in
Kerala 22,9 Jahre, und liegt weit über dem indischen Durchschnitt von 18
Jahren. Im Vorfeld kommt es zu Treffen der beiden Familien, wobei sich meist
auch das potentielle Brautpaar kurz begegnet. Das Aushandeln der (hohen) Mitgift
steht im Mittelpunkt, welche schließlich bei der Hochzeit zur Schau gestellt
wird. Die Hochzeitsfeierlichkeiten mit Hunderten von Gästen werden von
den Brauteltern ausgerichtet. Können die Eltern keine Mitgift aufbringen,
bleibt die Tochter unverheiratet und ohne gesellschaftliche Anerkennung. Die
wenigen Fälle von Liebesheirat werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert,
und häufig erhält das Paar keinerlei Unterstützung von den Familien
und wird ausgestoßen. Bei einer Verbindung zwischen Angehörigen verschiedener
Kasten muß manchmal sogar mit Racheakten gerechnet werden, da die Heirat
als Schande für die gesamte Kaste gesehen wird.
(vgl. Kubutschek/Steinle 1997: 13f)
Ein interessantes
Phänomen ist, dass von einem wichtigen Bevölkerungsteil ein matrilineares
Erbsystem ausgeübt wird. Es handelt sich vor allem um die Nayar (bzw. Nair),
Teile der Izhava Kaste sowie Teile der muslimischen Bevölkerung. Matriarchal
kann das System jedoch in keiner Weise genannt werden. Die Familienoberhäupter
sind Männer. Bei den Nayar besaßen auch unverheiratete Beziehungen,
'sambandham' genannt, Legitimität, waren nicht selten und wurden als Ehe
betrachtet. Sie gingen über Kastenschranken hinaus. Die Kinder gehörten
der mütterlichen Familie an. Das matrilinare System hatte großen
Einfluss auf die soziale und kulturelle Entwicklung Keralas und hat manche sozialen
Einstellungen verändert.
(vgl. Ramachandran 1996: 276ff)
Kerala hat als einziger
indischer Staat erreicht, was von der UNESCO "total literacy" genannt wird:
eine Alphabetisierungsrate von über 85%. Mittlerweile liegt sie bei 90.59%,
weit über dem indischen Durchschnitt von 52.11%. So ist auch die Zirkulation
von Zeitungen in Kerala höher als im indischen Durchschnitt. 1989 gab es
pro 1000 Malayalam sprechende Personen 61 Zeitungen in Malayalam; die entsprechende
Zahl aller indischer Sprachen und SprecherInnen lag bei 28 .
Kinderarbeit tritt in Kerala weniger häufig auf. Laut der indischen Volkszählung
1981 arbeiteten in Gesamtindien 7.58% der Fünf- bis 14-Jährigen, doch
nur 1.50% in Kerala. Was Kinderarbeit betrifft, können die Ergebnisse der
Volkszählung als untertrieben betrachtet werden, deutlich wird jedoch die
Diskrepanz.
Beim Blick auf Keralas Bildungsstand muss betont werden, dass erst eine hohe
Alphabetisierungsrate von Frauen zu dem Ergebnis leiten konnte. Die keralesische
Kultur stand nie im Widerspruch mit Frauenbildung, und es gab keine umfassenden
Gegenstimmen. Bereits im 16. bis 18. Jahrhundert breitete sich die Alphabetisierung
bei höheren Kasten aus. Dann folgten christliche Missionare, vor allem
protestantische, folgend auch Syrisch christliche, welche moderne Schulen einrichteten.
Sie arbeiteten vor allem mit unterdrückten Kasten und verbanden ihre Tätigkeit,
wie zu erwarten ist, mit Konvertierungen. Neben christlicher Theologie wurden
jedoch auch säkuläre Themen gelehrt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts
gab es die ersten modernen Regierungsschulen. Das Netz traditioneller, auf Kasten
basierender Schulen, wie Madrasas und vedische Schulen, war im 18. und 19. Jahrhundert
stark zurückgegangen. Von Bedeutung ist, dass bereits im Jahr 1817 Massenalphabetisierung
von der 15-jährigen Herrscherin von Travancore ausgerufen wurde - die Kosten
sollte der Staat übernehmen. Bis zur tatsächlichen Massenalphabetisierung
verging jedoch noch weit über ein Jahrhundert.
Eine große Rolle spielte die Total Literacy Campaign 1989-91. Hier wurde
jede/r AnalphabetIn identifiziert, und es wurden Gruppen gebildet, in denen
durch Freiwillige gelehrt wurde - über Themen wie Würde der Arbeit,
Trinkwasser, Krankheitsverhinderung, Freiheitskampf oder fair price shops.
(vgl. Ramachandram 1996: 255ff, 271ff)
Auch wenn das Bildungssystem Keralas bemerkenswert ist, so ist aus europäischer
Sichtweise manches zu kritisieren - wobei Kritikpunkte aber auch von KeralesInnen
ähnlich gesehen werden.
Im Alter von ca. drei Jahren kommen die meisten Kinder in den Kindergarten,
welcher nach europäischen Standards eher Vorschule genannt werden könnte.
Die Eltern erwarten, dass dort Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wird. Gemeinsames
Spielen, Kreativität, Förderung von Fähigkeiten und Talenten
sind unbekannt. Disziplin, Gehorsam und Anpassung an vorgegebene Strukturen
stehen vielmehr im Mittelpunkt. Die Einschulung erfolgt mit sechs Jahren. Wissensvermittlung
besteht in Frontalunterricht und Auswendiglernen, wobei das Verstehen im Hintergrund
bleibt. Eigene Gedanken zu machen oder auch nur die eigene Formulierung von
Gelerntem werden nicht gefördert. Prügelstrafe ist jedoch die Regel
an Schulen. Den Kindern bleibt wenig Freizeit, und der Leistungsdruck, besonders
vor den häufigen Prüfungen, ist enorm. Mit Abschluss der zehnten Klasse
ist die Schule beendet. Am College kann dann in verschiedenen zweijährigen
Fachkursen ("10 + 2") weitergelernt und mit dem Pre-degree abgeschlossen werden.
Danach besteht die Möglichkeit nach weiteren drei Jahren Fachstudium den
Bachelor-Abschluss und nach wiederum zwei Jahren den Masters-Abschluss abzulegen.
Der Leistungsdruck ist zwar auch hoch, jedoch wird dort mehr Freiheit genossen.
Es gibt weder Uniformpflicht noch Prügelstrafe. Durch das restriktive Bildungssystem
ist eine kritische Auseinandersetzung mit Themen Seltenheit.
Der Blick auf Gesundheitsindikatoren zeigt Keralas einzigartigen Status im Vergleich zu Restindien. Die Lebenserwartung in Kerala beträgt 71.3 Jahre, und übertrifft die gesamtindische um über elf Jahre. Auch was Sterblichkeitsrate und Säuglingssterblichkeitsrate betrifft, liegt Kerala an erster Stelle. Die Geburtenrate Keralas liegt unter dem indischen Durchschnitt und weist auf das höhere Heiratsalter und die höhere Rate von Geburtenkontrolle.
| Kerala | Indien | |
| Lebenserwartung bei der Geburt: | 71.3 Jahre | 62.8 Jahre |
| Sterblichkeitsziffer pro 1000 EinwohnerInnen: | 6,1 | 9,8 |
| Säuglingssterblichkeitsrate pro 1000 Lebendgeburten: | 17 | 72 |
| Geburtenrate pro 1000 EinwohnerInnen: | 18.5 | 21 |
| Anzahl der ÄrztInnen pro EinwohnerIn: | 671 | 2521 |
Betont werden muss hier die hohe Alphabetisierungsrate von Frauen, welche den größten Einfluss auf die Gesundheitssituation hat.
Untersuchungen über Nahrungsaufnahme zeigen, daß diese in Kerala weit unter der empfohlenen Tageszufuhr (RDA, Recommended Daily Intake) liegt, insbesondere was Vitamin A betrifft. Außer bei der Kalzium- und Vitamin-A-Zufuhr schnitten die KeralesInnen bei allen gemessenen Nahrungsbestandteilen (Protein, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralien) schlechter ab als der indische Durchschnitt. Im Gegensatz dazu ist der Ernährungsstatus von Kindern in Kerala besser als in Gesamtindien. Auffällig ist vor allem das geringere Auftreten von schwerer Unterernährung, doch es leiden ca. 75% der Kinder an leichter oder mäßiger Mangelernährung. Diese zeigt sich zumeist als Protein-Energie-Mangelernährung und ist als Wachstumsverzögerung zu beobachten. Durch die ‚school-lunch-programmes' konnte schwere Unterernährung eingedämmt werden, da die meisten Kinder eine Schule besuchen. Zudem gibt es ‚feeding-programmes' für Schwangere und Stillende.
Trotzdem ist der Gesundheitszustand
der Bevölkerung besser als zu erwarten wäre, da die Gesundheitsversorgung
gut ist. Es gibt ein ausgebautes Netz von öffentlichen und privaten Gesundheitsdiensten,
und selbst ländliche Gebiete sind gut versorgt. Vor allem handelt es sich
um allopatische Schulmedizin, doch auch um homöopatische und ayurvedische.
Es muss jedoch nach der Repräsentativität der Messungen gefragt werden.
Ramachandran merkt an, dass bei der Nahrungsaufnahme gewisse Nahrungsmittel,
wie zum Beispiel Tapioka, welches in anderen Staaten kaum gegessen wird, nicht
beachtet wird, dass außer Haus genommene Mahlzeiten nicht beachtet werden
und dass die Verteilung innerhalb des Haushalts vernachlässigt wird, welche
in Kerala gleichmäßiger ist.
Zu den direkten Ursachen des Ernährungsstatus' gehören vor allem die
Nahrungsmittelverfügbarkeit und -verteilung, Einkommen und Kaufkraft sowie
die Nahrungsmittelverteilung in der Familie und Mutter-Kind-Fürsorge. Politische
und wirtschaftliche Faktoren dürfen hier jedoch nicht vernachlässigt
werden. Die Landreform und Kautschukkultivierung spielen eine große Rolle.
Hauptgesundheitsprobleme in Kerala sind übertragbare Infektionskrankheiten,
Unterernährung und Anämie. Die schlechte sanitäre Situation ist
meist Hauptverursacher.
(vgl. Bau/Kashiwagi, 1994: 26ff; Ramachandran 1996: 225ff )
Die öffentliche Verteilung
von Lebensmitteln möchte ich hier etwas näher betrachten.
In Kerala herrscht zwar ein Nahrungsmitteldefizit, und über 50% des Getreides
muss importiert werden, doch hat Kerala das beste Verteilungssyestem Indiens.
Es besteht aus ration und fair price shops, in welchen mehr Einkäufe getätigt
werden als in anderen indischen Staaten. Das Netz wurde nach der Lebensmittelknappheit
1942/43 infolge von Massenprotesten von der Regierung eingerichtet und nach
1957 von der kommunistischen Partei gefestigt. Die Verteilung geschieht über
zwei Ebenen: zum einen durch das Civil Supplies Department der Regierung und
dessen ration shops, zum anderen durch die Kerala State Civil Supplies Corporation
mit ihren Maveli shops und supermarkets. Ration cards erhalten alle Haushalte,
deren Landbesitz nicht groß genug ist, um den Bedarf der Familie zu decken
- 1991 waren dies 90% der Haushalte. 1989 wurden pro Person 52 kg Getreide durch
ration cards gekauft, im Vergleich dazu waren es in Haryana 5 kg, in Bihar 8
kg und in West Bengal 32 kg.
(vgl. Ramachandran 1996: 244ff)
Das allgemeine Ziel der Verbesserung der Lebensverhältnisse kann unterteilt werden in die Hauptziele Ernährungssicherung durch Subsistenzlandwirtschaft und Hilfsmaßnahmen zur Sicherung sonstiger Grundbedürfnisse sowie Förderung von Eigeninitiative und Selbständigkeit. Die Aktivitäten können grob in zwei Bereiche unterteilt werden, wie schon im Projektnamen angedeutet: Basic Agricultural and Social Improvement Schemes.
Auf dem Grundstück
wurde die Kautschukbepflanzung der vorigen BesitzerInnen gerodet. Wegen Auslaugung
durch die Monokultur musste der Boden (Laterit und Rotlehm) aufbereitet werden.
Nach Terrassierung und Randbefestigung, der Erosionsgefahr entgegenwirkend,
wurde ein Mischkultursystem mit verschiedenen Pflanzen im charakteristischen
Stockwerkbau angelegt. Dies besteht aus Überbau (z. B. Kokos), Fruchtbäumen,
niederen Bäumen und Sträuchern, der Bodenschicht (z. B. Ananas) und
Kletterpflanzen.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 66, nach: GTZ 1986)
Angebaut wurden Pflanzen, die traditionell in Kerala angebaut, doch durch die
Kautschukmonokultur verdrängt wurden. Hierzu gehören:
Die so genannte Backyard-Tierhaltung
in Stall und Hof, bei der so viele Tiere (Kühe, Hühner, Ziegen, Schweine)
gehalten werden, wie überwiegend aus landwirtschaftlichen Restprodukten
gefüttert werden können, ist bei Kautschukbepflanzung kaum möglich.
Mit den Restprodukten konnte BASIS-Projects die Tierhaltung jedoch problemlos
einführen, da der Mischanbau reichlich Restprodukte liefert, wie zum Beispiel
Pflanzenreste von Knollenfrüchten, Bananenstaudenstengel sowie angebautes
Futtergras. Gülle wird in einer Biogasanlage genutzt (Fixed-Dome-Plant).
Die Zahl der Tiere variiert wegen Weitergabe.
(vgl. Bau/Kashiwagi 1994: 69f; Kubutschek/Steinle 1996: 36f; Moozhiyil/Moozhiyil
1993)
BASIS-Projects hat mit Unterstützung privater und staatlicher Organisationen im Projektgebiet über 100 Biogasanlagen eingerichtet. Zudem wurde ein Schlepper zum Gülletransport angeschafft, welcher auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt wird.
BASIS-Projects fungiert
im landwirtschaftlichen Bereich als Modellfarm.
Insbesondere in den Anfangsjahren wurde viel "experimentiert" , um eine optimale,
schonende Landnutzung und Tierhaltung aufbauen zu können. Zu den Maßnahmen,
die hier eingeführt wurden, gehören:
1991 wurde die Nähschule
in einem kleinen, neuen Gebäude auf dem Projektgelände eingerichtet.
Sie bietet jungen Mädchen und Frauen eine informelle Ausbildung in Nähen
und Sticken. Projektziel ist jedoch, eine Begegnungsstätte zu unterhalten,
in der sich Mädchen und Frauen außerhalb der Familie treffen und austauschen
können. Vergleichbare Möglichkeiten gibt es im Dorf nicht. Die meisten
Mädchen führen nach dem Schulabschluss ein isoliertes leben zu Hause,
bestehend aus Hausarbeit, und warten auf ihre Hochzeit. In der Nähschule
wird die Möglichkeit gegeben, Talente und Interessen zu entwickeln und zu
verfolgen. Zum Beispiel treffen sich Nähschülerinnen einmal pro Woche
zu Tanz und Gesang.
Ein wichtiger Punkt ist, dass weder Kasten- noch Religionsschranken ausgeübt
werden. In den Anfangsjahren wurde die Nähschule hauptsächlich von unterkastigen
oder kastenlosen Christinnen und Hindus besucht. Inzwischen stieg das Vertrauen
der Dorfbevölkerung, und die Angst um den Ruf der Töchter sank: Auch
Brahmaninnen sind unter den Teilnehmerinnen. Mittlerweile kommen auch Mädchen
aus umliegenden Dörfern sowie Musliminnen.
1994 entstand in einem weiteren kleinen Gebäude ein Aufbaukurs. Hier werden
Taschen, Rucksäcke und Ähnliches für den Export nach Deutschland
und Verkauf im Projekt an Gäste sowie Auftragsarbeiten von Gästen hergestellt.
Mehrere junge Frauen und Männer haben hier einen Arbeitsplatz gefunden, was
vor allem den Frauen mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit bringt.
Auch diese dient
der Einkommenschaffung und als Treffpunkt außerhalb von Familie und kastenbedingter
Trennung. Für Export und Projektverkauf werden Briefpapier und Grußkarten
per Siebdruckverfahren hergestellt und handkoloriert. Außerdem besteht
die Möglichkeit zu zeichnen und malen, musizieren, zu Tanz und Gesang.
Künstlerische Fähigkeiten werden im indischen Schul- und Erziehungssystem
nicht gefördert, und der Kunstunterricht wird von strengen gestalterischen
Regeln beherrscht.
Zehn junge Leute, in der Mehrzahl Frauen, haben hier eine feste Anstellung.
Angegliedert an die Kunstschule, doch in einem anderen Gebäude untergebracht, ist die Buchbinderei. Ein Buchbinder fertigt Leerbücher, Schreibmappen, Photoalben etc. für den Export an. Bei Aufträgen unterstützen ihn MitarbeiterInnen aus anderen Bereichen.
Der Projektkindergarten,
angesiedelt auf dem Gelände der Näh- und Kunstschule, entstand 1996.
Eigentlich sollte damit jungen Müttern der Besuch der Nähkurse erleichtert
werden, doch mittlerweile kommen mehr und mehr Kinder aus beliebigen jungen
Familien des Dorfes.
Die üblichen indischen Kindergärten sind eher Vorschulen oder Lernkindergärten,
in denen kaum Raum für Spielen besteht. So erwarten Eltern, dass ihr Kind
bereits mit drei oder vier Jahren beginnt, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen.
Deshalb gibt es auch im BASIS-Kindergarten Unterricht, doch mehr Zeit wird freiem
Spiel, Malen, Basteln, Singen und Gruppenspielen gewidmet. Die Umstellung auf
Kreativität und Spiel statt Disziplin und Lernen geschah vor allem mit
Hilfe von Anuradha Moozhiyil, die ihre eigenen Erfahrungen im deutschen Kindergarten
einbrachte und die Kindergärtnerinnen langsam an die neue Methode heranführe.
Zu Beginn waren die viele Eltern misstrauisch, doch dies verschwand bald nachdem
die Kinder mit neuen Ideen, einfachen Bastelarbeiten, Liedern etc. nach Hause
kehrten.
Diese bietet die Möglichkeit,
unter Anleitung Gegenstände wie Möbel für den Eigenbedarf herzustellen.
Handwerkliche Arbeiten werden als minderwertig angesehen, und viele künstlerische
und handwerkliche Fähigkeiten sind vom Aussterben bedroht. Durch die Werkstatt
soll diese Abneigung abgebaut werden und eine Beschäftigungsmöglichkeit
und Einkommensquelle geboten werden.
Ein Schreiner und ein Schmied, welche auch im Projekt Reparaturen durchführen
und Gegenstände herstellen, leiten an und bilden aus. Die Teilnehmenden
tragen nur die Materialkosten.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 20)
Ein offener Geräteverleih bestand in den ersten Jahren, musste jedoch wegen
unzuverlässiger Rückgaben eingeschränkt werden.
Wie unter 4.9 erwähnt,
treten Krankheiten, welche durch Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären
Anlagen verursacht werden, in Kerala häufig auf. Dem wirkt BASIS-Projects
durch Präventivmaßnahmen wie Brunnenbau und Toilettenbau entgegen.
In Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung, der Tempel und der Kirchengemeinde
wurden seit 1993 Trinkwasserversorgungsanlagen eingerichtet.
In hügeligen Gebieten Keralas herrscht häufig während der Trockenzeit
Trinkwasserknappheit, wofür die Kautschukmonokultur mitverantwortlich ist.
Hiervon sind vor allem sozial schwache Familien betroffen, die keinen eigenen
Brunnen besitzen. So werden an tief liegenden Stellen Brunnen gegraben und an
höheren Orten Wassertürme gebaut, in die das Wasser durch unterirdisch
verlegte Leitungen gepumpt wird. Durch ein Straßenverteilungssystem gelangt
es an öffentliche Zapfstellen. DorfbewohnerInnen beteiligen sich mit Arbeitskraft
oder finanziellen Beiträgen.
Das Programm ist sehr erfolgreich, und die chronische Trinkwassernot konnte
so behoben werden. Zudem wird durch das sauberere Wasser der Gesundheitszustand
verbessert.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 13, 29)
Sozial schwache Haushalte
besaßen in Sreekandamangalam keine eigene Toilette. Die Notdurft wird
dann üblicherweise auf den Feldern verrichtet. Problematisch wird dies
besonders während des Monsoon, wenn Fäkalien in nicht ummauerte Brunnen
gespült werden.
Interessierte Familien werden zu 50% bezuschusst, um eine eigene Toilette zu
bauen. Ihr eigener Anteil besteht neben finanzieller Beteiligung auch im Arbeitseinsatz.
Beispielsweise nutzen einige Nähschülerinnen die Rücklagen ihres
Verdienstes zum Toilettenbau.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 28; Bau/Kashiwagi 1994: 75)
Im Rahmen des Nothilfeprogramms
wird kurz- oder langfristig schnell finanzielle Hilfe, teils durch Kredite,
geleistet.
Dies ist zum Beispiel der Fall bei Monsoonüberschwemmungen, extremer Trockenheit
oder Tod bzw. Krankheit des Hauptverdieners/der Hauptverdienerin. Versicherungen
können nicht abgeschlossen werden; die Familien stehen in solchen Situationen
vor dem Ruin, wenn Nachbarn oder Verwandte nicht unterstützen können.
Für Ernährung, Bekleidung, Reparaturen, medizinische Versorgung, Ausbildung
etc. werden insbesondere Witwen und alte oder/und kranke Menschen finanziell
unterstützt. Präventivmaßnahmen (wie stabile Dachdeckung), Ermutigung
zu Kleingewerbegründung oder Ähnliches) sowie Zusammenarbeit mit Institutionen
gehören ebenso zu dem Programm. Eigeninitiative ist Vorbedingung.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1994: 36)
Das Projekt hat zwar keine
Einrichtung für medizinische Versorgung, steht jedoch als Ort zur ambulanten
Behandlung zur Verfügung. Von Leelamony Moozhiyil, ausgebildete Krankenschwester,
werden kleine Verletzungen etc. behandelt und Erste Hilfe geleistet. Aufklärung
über Hygiene und Ernährung gehören dazu.
In der Fertigstellungsphase befindet sich ein Gebäude, in welchem der traditionellen
indischen Ayurveda-Kräuterheilkunde ein Platz geschaffen werden soll. Hier
soll gelehrt, untersucht und geheilt werden. Im hausnahen Garten sollen Arzneipflanzen
gezogen werden.
In der Planungsphase ist
ein Häuserbauprojekt für benachteiligte Mitglieder der Gesellschaft.
Mietverhältnisse sind als Folge der Landreform (siehe 4.4.3) nicht existent.
So sollen zum Beispiel Paare, die aus Liebe geheiratet haben und von ihren Familien
verstoßen wurden, allein erziehende Mütter oder behinderte Menschen
beim Bau eines eigenen einfachen Hauses unterstützt werden. Zusammenarbeit
besteht mit Banken, die günstige Kredite vergeben.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1999)
Zunächst wurde der
Familie Moozhiyil trotz Herkunft aus dem Projektgebiet und trotz ihrer hohen
Stellung als "AuslandsinderInnen" viel Misstrauen und Abneigung entgegengebracht.
Nach Abholzung der Kautschukanpflanzung auf dem Grundstück wurden sie schlicht
als ‚verrückt' betrachtet. Akzeptanz entwickelte sich, als Erfolg des Mischkulturanbaus
sichtbar wurde. Erstes Interesse zeigte sich, als Bauern kamen, um erst Setzlinge,
später Zuchttiere zu erstehen. Wie bereits unter 5.1.1.4 erwähnt,
kann der Bedarf vom Projekt allein nicht mehr gedeckt werden, und mehr und mehr
Familien kehren zumindest teilweise zum traditionellen Anbau zurück.
Die Teilnehmerinnen der Nähkurse und die Kinder des Basis-Kindergartens
stammen mittlerweile aus allen Bevölkerungsschichten der beiden Religionen.
Zu Beginn wurden die Aktivitäten des Projekts von der Kirche - ein Priesterseminar
befindet sich auf einem benachbarten Grundstück - als Konkurrenz gesehen.
Das Verhältnis war sehr distanziert und für die Familie Moozhiyil
eher ein Drahtseilakt, da sie sich als gläubige ChristInnen nicht mit der
Kirche entzweien wollten und ihre Sichtweise nicht völlig mit den Priestern
übereinstimmt. Mittlerweile ist das Projekt - nicht ohne die Geduld und
Toleranz von Mathew und Leela Moozhiyil - auch von der Kirche anerkannt und
geschätzt.
Der Förderkreis Indienhilfe
e.V. wurde 1988 vor der Rückkehr der Familie Moozhiyil nach Indien von
FreundInnen und Bekannten in Gießen gegründet, um BASIS-Projects
zu ermöglichen. Der Mitgliedsbetrag beträgt DM 36.- im Jahr, und es
werden auch größere Spenden getätigt. Geleitet wird der Förderkreis
durch einen Vorstand und die Mitgliederversammlung.
(Vgl. Moozhiyil/Moozhiyil 1993: 5)
Projektanträge werden hier geprüft und meist genehmigt. Durch die
persönliche Beziehung ist das Verhältnis recht gut und eher partnerschaftlich,
doch die Abhängigkeit bleibt.
Die 30 MitarbeiterInnen
in Landwirtschaft, Tierhaltung, Buchhaltung, Näh- und Kunstschule und Kindergarten
sind zwar in der Mehrheit in einem bestimmten Bereich eingestellt, wechseln
bei Bedarf jedoch in andere Bereiche, je nach persönlicher Eignung und
Verantwortungsbereitschaft. Durch die Abwechslung und Weiterbildung ist dies
nicht unbeliebt. Insbesondere bei Besuch der Reisegruppen (siehe unter 5.3)
ist dies der Fall oder bei größeren Auftragsarbeiten.
Die Löhne liegen im mittleren Bereich bei vergleichbar höheren Anforderungen.
Für jede/n MitarbeiterIn wird jedoch ein zusätzlicher Betrag angespart,
der für größere Ausgaben mit Zuschüssen vom Projekt verwendet
werden kann (zum Beispiel Toilettenbau, Hausbau, Kauf einer Nähmaschine
oder bei Kündigung als Kapital zur beruflichen Selbständigkeit).
Basis-Handproducts ist der Bereich des Projekts, über den die wachsende Zahl von Produkten nach Deutschland exportiert wird. Es handelt sich um in Näh- und Kunstschule sowie Buchbinderei hergestellte Produkte wie Rucksäcke, Taschen, Briefpapier, Briefmappen, Collegemappen, Brustbeutel, Aerogramme, bestickte Taschentücher, Photoalben, Leerbücher etc. Immer wieder wurden einige Produkte (Rucksäcke und Grußkarten) über den TEAM-Versand in Deutschland abgesetzt. Es wird ständig an neuen Produkten gearbeitet, initiiert häufig durch von Gästen mitgebrachte Modelle oder Anfragen. In Zusammenarbeit mit PraktikantInnen, Reisegruppen und anderen Gästen werden für den deutschen Markt geeignete Modelle, Designs und Farbkombinationen erstellt. Zurzeit wird versucht, ein Kommissionslager in Deutschland einzurichten, da kleine und mittelgroße Aufträge durch die hohen Transportkosten nicht rentabel sind.
Einer der Schwerpunkte des
Projekts ist, ein Ort für internationale Begegnung zu sein. Durch die Verbindung
mit Deutschland wurde dies jedoch eher zu deutsch-indischer Begegnung. Durch
den Austausch soll einerseits die Brücke zur "zweiten Heimat" aufrechterhalten
werden, andererseits können (und sollen) BesucherInnen dazu beitragen,
Misstrauen, Vorurteile und Distanz Fremden gegenüber zu verringern. Der
Umgang mit den Deutschen, welche keine Kastenschranken und weniger Unterschiede
zwischen den Geschlechtern kennen, führt häufig zum Hinterfragen des
starren Kastendenkens. Selbstverständlich sind auch negative Erfahrungen
mit einzelnen BesucherInnnen ein Teil des Austausches - was eher als Erfahrungsbereicherung
gesehen wird. Zu betonen ist hier die grenzenlose Geduld, die Toleranz, Gastfreundschaft
und das Verständnis, was den Gästen entgegengebracht wird.
Zwischen 1990 und 1997 fanden 14 Freiwilligendienste bzw. Workcamps im Projekt
statt. Sieben bis zehn junge Menschen arbeiteten für sechs Wochen in den
verschiedenen Bereichen mit. Die persönliche Begegnung und Integration
im Dorf sowie Selbstentfaltung standen hier im Vordergrund, und es wurde ein
großes Maß an Freiheit gegeben, eigene Ideen (zum Beispiel in der
Nähschule) umzusetzen. Vorbereitungsseminare und Nachtreffen waren feste
Bestandteile der Workcamps. Sie wurden durch das Jugendaufbauwerk pro international
e.V. in Marburg organisiert.
Seit 1997 besuchen viermal jährlich für drei Wochen Gruppen von zehn
bis zwölf Personen das Projekt. Die Reisen werden im Rahmen des sog. ‚Sanften
Tourismus' organisiert vom Waschbärreisen-Kulturprogramm
in Verbindung mit TEAM-Reisen. Die Teilnehmenden, in der Mehrzahl Frauen, befinden
sich in allen Alters- und Berufsgruppen, sind meist sehr interessiert an Projekt-
und Entwicklungsarbeit und werden schriftlich genau auf den Aufenthalt vorbereitet.
Das Programm umfasst eine einwöchige Rundreise durch Kerala und Tamil Nadu,
Tagesausflüge, Backwaters-Bootsfahrten, Elefantenritte, Integration in
die Projektarbeit und viele Diskussionen. Mittlerweile werden auch Ayurveda-
und Familienreisen ins Projekt angeboten. Das Feedback der BesucherInnen ist
äußerst positiv - die Mehrzahl bleibt dem Projekt durch Korrespondenz
eng verbunden.
Durch Anfragen von Waschbär-Reisenden entstand der Plan, längere Aufenthalte
und Mitarbeit im Projekt zu ermöglichen. Im Ayurvedagebäude werden
Gästezimmer zur Verfügung gestellt.
Ab 1996 sendete die Carl-Duisberg-Gesellschaft mehrere Jahre über das ASA-Programm
(Akademische Studienaufenthalte in Asien, Afrika und Lateinamerika) StipendiatInnen
zu BASIS-Projects. Die Praktika werden in Deutschland durch Seminare vorbereitet.
Im Projekt besteht die Mitarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Haushalts-
und Ernährungswissenschaften, Sozialwissenschaften, Pädagogik und
angepasste Technologie. Die in diesem Bericht verwendete Arbeit von Wolfgang
Kubutschek und Heidi Steinle basiert auf einem ASA-Aufenthalt. 1998 erarbeiteten
zwei weitere Praktikantinnen gemeinsam mit zwei indischen Botanikerinnen einen
Katalog über ayurvedische Heilpflanzen, welche im Projektgebiet zu finden
sind.
BASIS-Projects, Basis-Handproducts
und Basis-Interantional sind zwar finanziell und rechtlich getrennte Unternehmen,
doch werden Ausgaben wie Löhne bei Finanznot eines Bereiches verschoben.
Das Wechseln von MitarbeiterInnen wird in der Buchhaltung genau verzeichnet.
1998 und Anfang 1999 hatte Basis-Handproducts kaum Einnahmen; so wurden Löhne
der Beschäftigten in Näh- und Kunstschule durch Einnahmen aus Basis-International
gezahlt.
Die beiden Bereiche Handproducts und International unterstützen das Projekt
enorm auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Zwar ist die Zusammenarbeit
mit dem Förderkreis Indienhilfe e.V. gut und auf freundschaftlicher Basis
aufgebaut, es bleiben jedoch Abhängigkeit, Ungleichgewicht, Zwang zur Rechtfertigung
von Ausgaben, Anträge etc., um die Förderung zu erhalten. Der Schritt
zur Unabhängigkeit durch Tourismus und Produktion, das heißt Finanzierung
durch Leistung, führte zu auch bei MitarbeiterInnen zu größerer
Verantwortungsbereitschaft und höherer Leistung als bei Finanzierung durch
Spenden.
Der Vorschlag eines GTZ-Mitarbeiters und Freundes der Familie, einen GTZ-Antrag
über DM 30.000.- zu stellen, wurde abgelehnt, um sich nicht in weitere
Abhängigkeiten zu begeben.
Beeindruckend ist, wie mit
Geduld und ohne Druck sinnvolle Entwicklungsarbeit geleistet werden kann.
Eigeninitiative als Grundvoraussetzung erweist sich als Hauptfaktor für
Nachhaltigkeit.
Ich danke Leela und Mathew!
2001 erhielt Basis International den ToDo!-Preis des Studienkreis für Tourismus im Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus. Eine ausführliche Preisbegründung ist auch im Internet zu finden unter http://www.studienkreis.org/deutsch/wettbewerbe/todo/01indien.html.
