Dorfentwicklung

Projektinitiation Projektpartner Die einzelnen Projekte

 

Projektinitiation

Die InitiatorInnen des Projektes, Mathew und Leelamony Moozhiyil (Foto rechts), kehrten 1989 nach einem über zwanzigjährigen Aufenthalt in Deutschland mit ihren damals zehn und sechs Jahre alten Töchtern Anuradha und Theresa in ihr Heimatdorf Sreekandamangalam, Kerala, zurück.
1993 wurde ihr Sohn Christoph geboren.

Mit viel Geduld und Gottvertrauen und durch die Unterstützung von FreundInnen aus Deutschland konnten die Schwierigkeiten der Reintegration gelindert und der Aufbau des Entwicklungsprojektes unterstützt werden.
Dabei kamen den InitiatorInnen besonders die Ausbildung als Agrarwissenschaftler und Krankenschwester, die sie in Deutschland absolviert hatten, sowie die Kenntnis beider Kulturen zugute. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten versuchen sie in die Dorfgemeinschaften einzubringen. Ebenso wird versucht traditionelles Wissen der Einheimischen an weitere Bevölkerungsschichten zu vermitteln.
Ihre Existenz konnten sie durch Nahrungsmittelproduktion auf dem eigenen zwei Hektar großem Grundstück sichern und mit dieser Lebensweise auch anderen Menschen ihre Sichtweise vermitteln.
Ihr innerer Auftrag, dass sie in ihrem Leben erfahrene und empfangende Menschlichkeit und Wissen durch ihre Rückkehr den Mitmenschen weitergeben wollen, ermutigt und bestärkt sie noch heute bei ihrer Zielorientierung.

Leela und Mathew  
 

Projektpartner in Deutschland

BASIS-Projects arbeitet mit mehreren deutschen Partnern zusammen:

Förderkreis Indienhilfe e.V.
Der Förderkreis Indienhilfe e.V. wurde 1988 in Giessen von deutschen FreundInnen der InitiatorInnen von BASIS-Projects gegründet, um die Aktivitäten des Projekts ideell und finanziell zu unterstützen.
Der Verein besteht aus Mitgliedern aller Berufs- und Altersgruppen, die über ganz Deutschland verteilt sind.
Geleitet durch den Vorstand und die Mitgliederversammlung werden die Projekte durch Beratung und regelmäßigen Austausch begleitet.
Mitglied kann jede/r nach Vollendung des 14. Lebensjahres werden. Für den jährlichen Mitgliedsbeitrag werden Spendenbescheinigungen ausgestellt.

Förderkreis Indienhilfe e.V.
Nordanlage 45
35390 Giessen
Spendenkonto: 22700095, Bezirkssparkasse Giessen, BLZ 51350025, Verwendungszweck: BASIS-Projects

travel-to-nature GmbH
Neue Wege
Comtour

Infos unter Tourismus

Die einzelnen Projekte:

Landwirtschaft und Tierzucht Kunstschule und Buchbinderei Nähschule Ferienprogramm und Nachhilfeunterricht Kindergarten Werkstatt Schreinerei Trinkwasserversorgung Nothilfemaßnahmen

Landwirtschaft und Tierzucht
Nachdem die Kautschukpflanzung auf dem zwei Hektar großen Grundstück gerodet wurde, ist eine Mischkultur angelegt worden, bestehend aus Kokos, Papaya, Mango, Jackfruit, Bananen, Ananas, Zimt, Muskat, Gewürznelken, Pfeffer, Knollenfrüchten und weiteren.
Diese Bewirtschaftung sichert die Selbstversorgung (mit Verkauf von Überschuss) und erhält das biologische Gleichgewicht bei den extremen Witterungsverhältnissen.
Mit den anfallenden landwirtschaftlichen Abfallprodukten wurde eine Backyard-Tierhaltung mit Rindern, Schweinen, Ziegen und Hühnern aufgebaut.
Die tierischen Abfälle kommen als Dünger in die Pflanzenproduktion. Diese Bewirtschaftungsweise sichert ebenso einen optimalen Lebensraum für verschiedene Vögel und Kleintiere.
Durch die Landreform in den 60er Jahren, besitzt jede Familie in Kerala ein Stück Land. Wurde darauf früher Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut, so findet man heute hauptsächlich vom Staat subventionierte Kautschuk-Monokultur vor.
BASIS-Projects verfolgt daher mit seiner ökologischen Landwirtschaft von Getreide, Obst, Gemüse und Gewürzen sowie der kleinbäuerlichen Tierhaltung folgende Ziele:
- die Ernährungssicherung der Familien durch Selbstversorgung
- eine ausgewogene Ernährung
- Lebensraum für verschiedene Tierarten durch Mischkultur-Biotope
- einen Biokreislauf zwischen Mensch-Tier-Pflanze (z.B. durch Abfallvermeidung und biologische Landwirtschaft)
- Ayurveda und Heilkräutergarten zur Gesundheitsvorsorge und Heilung.
Um diese Ziele umzusetzen, stehen die MitarbeiterInnen des Projektes, Interessierten mit Rat und Tat zur Seite, zum Beispiel durch Bereitstellung von Saatgut und Setzlingen, Weitergabe von Jungtieren oder Geräteverleih.

Kunstschule und Buchbinderei
Auf künstlerische Fähigkeiten und Talente wird in Erziehung und Bildungswesen weder eingegangen noch viel Wert gelegt. Das Interesse an künstlerischen Berufen geht zurück und der Beruf wird traditionell nur innerhalb der Kasten bzw. vom Vater zum Sohn weitergegeben.
Dabei wird kein Wert auf Talente gelegt – den Jungen wird die Kunst als Handwerk innerhalb der alten Traditionen vermittelt, in denen man sich an strenge gestalterische Regeln zu halten hat. Für Kreativität ist hier nicht viel Raum. Das BASIS-Projekt konnte durch seine bisherigen Erfahrungen, die versteckten künstlerischen Talente der jungen Menschen entdecken und motiviert sie, diese zu verwirklichen.
In dem offenen und für alle Interessierten zugänglichen Malprojekt sollen natürliche künstlerische Fähigkeiten entdeckt und zur Entfaltung gebracht werden.
Die Kunstschule bietet vor allem jungen Inderinnen die Möglichkeit der Begegnung außerhalb der Familie und der kastenbedingten Trennung.
Angeboten werden Malen, Zeichnen, Siebdruck und Buchbinderei. Diese dienen nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern auch als kleines Einkommen, das durch den Verkauf der hergestellten Produkte, wie Grußkarten und Briefpapier, nach Deutschland, ermöglicht wird.
Außerdem werden Notizbücher, Fotoalben, Brief- und Collegemappen hergestellt.
Auch kleine künstlerische Erfolgserlebnisse schaffen große Freude, Befriedigung und ein höheres Selbstwertgefühl. Zusätzlich ist eine gewisse Unabhängigkeit der jungen Frauen die Folge des Projektes.

Nähschule
In der Nähschule wird ein Grundkurs und ein Aufbaukurs in Nähen, Schneidern und Sticken angeboten. Außerdem werden Rucksäcke, Taschen, Kleidung, Stickarbeiten und weitere Produkte angefertigt.
Durch den Verkauf der Produkte nach Deutschland wird den Teilnehmerinnen auch hier ein Einkommen ermöglicht.
Ein weiteres Ziel ist, kooperative Einrichtungen im Dorf zu schaffen, die nicht nur berufliche Selbstständigkeit bedeuten, sondern zudem soziale Entwicklungschancen bieten.

Ferienprogramm und Nachhilfeunterricht
In den Schulferien übernehmen einige ausgebildete Frauen aus den oben genannten Projektbereichen in Form eines Ferienprogramms, Tätigkeiten wie Nachhilfe, Englischunterricht, Bastel- und Spielkreise sowie Tanz und Musik für Kinder.
Beabsichtigt wird damit eine Alternative zu den rigiden Lehrmethoden in den Schulen zu bieten und die Eigeninitiative zu fördern.

Kindergarten
Um Müttern die Möglichkeit zu geben, an den genannten Aktivitäten teilzunehmen oder um ihren saisonalen Arbeiten nachzugehen, wurde 1996 ein Kindergarten im Projekt eingerichtet. Anstelle von Reproduktionswissen – wie im indischen Kindergarten sonst üblich – treten Kreativ- und Lernangebote wie Basteln, Malen, Singen etc. in den Vordergrund. Wichtig ist es den Kindergarten kindgerecht zu gestalten und somit den kindlichen Bedürfnissen nach Spiel, Bewegung und Raum, in ausreichender Masse gerecht zu werden.
Die Altersklasse ist drei bis fünf Jahre. Um die Klassenunterschiede zu verringern, widergespiegelt in der Qualität der mitgebrachten Nahrung, wird eine Zwischenmahlzeit vom Projekt für alle Kinder gegeben.

Werkstatt
Eine Werkzeugsammelaktion, die vor der Abreise der InitiatorInnen aus Deutschland stattgefunden hat, ermöglichte es im Projektzentrum eine Werkstatt einzurichten, die für alle Dorfbewohner zugänglich ist, um selbst Haushaltsgeräte für den Eigenbedarf anzufertigen oder zu reparieren.
Es gibt zwei Fachkräfte für die Arbeit in der Werkstatt, die unter anderem die projektspezifischen Werkzeuge anfertigen, Anleitungen für Anfänger geben und Interessenten verschiedene Arbeitsmethoden erläutern.

Schreinerei
Hier wird den Dorfbewohnern die Möglichkeit geboten, Möbel für den Eigenbedarf herzustellen bzw. zu reparieren.
Das Erlernen von handwerklichen Fähigkeiten ist äußerst effektiv, da diese zum einen im eigenen Haushalt angewendet werden können und zum anderen eine mögliche Erwerbsquelle darstellten.

Trinkwasserversorgung
Während der trockenen Monate von ca. Januar bis Mai herrscht in den meisten Orten Keralas ein akuter Trinkwassermangel, so auch in Panchayat Athirampuzha. Für diesen Missstand ist unter anderem der Kautschukanbau verantwortlich. Die Verdunstung ist bei dieser Monokultur wesentlich höher als bei natürlichen Mischkulturen. Dadurch sinkt auch der Grundwasserspiegel.
Im Projektdorf Sreekandamangalam wurde in Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung, der Tempel und der Kirchengemeinschaft und mit der finanziellen Unterstützung des Förderkreises Indienhilfe e.V. in Giessen, eine Einrichtung zur Trinkwasserversorgung errichtet. Dieses Trinkwasserprojekt löst das Problem der chronischen Trinkwassernot von ca. 150 sozial schwachen Familien.
Die Anlange umfasst einen Brunnen in einer Tiefebene, einen Hochbehälter auf einer natürlichen Erhöhung sowie ein Straßenverteilungssystem mit 20 Zapfstelellen. Solche unabhängige, lokale Anlagen zur Wasserversorgung sind wichtiger Bestandteil der ländlichen Entwicklungsarbeit.

Nothilfemaßnahmen
Die extremen Witterungsverhältnisse (wie Überschwemmungen bei Monsunregen oder Trockenheit in den Sommermonaten) lassen immer wieder Notsituationen entstehen, die Hilfsaktionen durch das BASIS-Projekt erforderlich machen.
Nahrungsmittelverteilung, Bekleidungshilfe, Haussanierungsarbeiten, stabile Überdachung aus Ziegeln und Wellblech sind einige der Maßnahmen, die durchgeführt werden.
Dabei wird die Mitarbeit der Dorfbevölkerung so weit wie möglich gefordert.
Eine weitere Aufgabe ist die Unterstützung von Familien, die von Todesfällen des alleinigen Broterwerbers betroffen sind, da es kein staatliches soziales Netz gibt.
Hierbei werden die Hausfrauen zu Eigeninitiative ermutigt, um ihre Existenzgrundlage, z.B. durch Aufbau eines Kleingewerbes (Milchtierhaltung, Fisch-, Gemüseverkauf etc.) zu sichern.
Zusätzlich werden Ausbildungs- und Bekleidungskosten der minderjährigen Familienmitglieder übernommen.
In Indien gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung, das heißt die Behandlung einer schweren Krankheit stellt eine enorme finanzielle Belastung für die Familie dar.
Bei Bedarf übernimmt das Projekt auch einen Teil der Behandlungskosten.

Foto Ziege neben Eimer